Kapitalismus – christlich akzeptable Wirtschaftsordnung?

Zunächst einmal kann festgestellt werden, dass für das Zusammenleben von Menschen- im Kleinen wie im Großen- stets Ordnung benötigt wird. Im Hinblick auf das Regierungssystem wird aktuell Demokratie und Rechtsstaat als allgemein akzeptierte Ordnung und Rahmen gesicherter gleicher Handlungsfreiheit und Mitwirkungsmöglichkeit angesehen. Gleichermaßen verhält es sich mit Fragen des Geldes und der Arbeit, auch diese benötigen eine Ordnung, eben eine Wirtschaft- bzw. Sozialordnung.

Auch wenn aus christlicher Perspektive keine Regierungsform bzw. Wirtschaft- bzw. Sozialordnung biblisch oder unbiblisch ist, gibt es doch durchaus menschliche Systeme, die unter den gegebenen Umständen einer gefallenen Welt, einigermaßen „gerecht“ sein können.

Beim Nachdenken über diese Frage, geht es, bedenkt man Augustins „De civitate Die“ oder Luthers „Zwei-Reiche-Lehre“, um eine säkulare Staats- und Gesellschaftsordnung (civitas terrena). Und um die gefallene Schöpfung, speziell die menschliche Natur unter der Knechtschaft der Sünde (Anthropologie des Menschen).

Christliches Utopia

Christen machen sich nun seit Jahrhunderten Gedanken über eine gerechtere und soziale Staats- und Gesellschaftsordnung. Mit dem Roman „Utopia“ des englischen Staatsmanns und katholischen Klerikers Thomas Morus (englisch Thomas More, 1478–1535) erschien vor 500 Jahren, der erste Sozialismusentwurf[i].

Vertraut man nun auf diverse Christen- vor allem aus linkskatholischen/-evangelikalen Gruppen bzw. deren Ideologen- gibt es, im Hinblick auf die Wirtschaftsordnung tatsächlich keinen Zweifel daran, dass eine Form des Sozialismus oder „Kommunismus des Urchristentums“ „christlich“ bzw. biblisch geboten ist.

Anhänger dieser Ideologie, eines christlich motivierten bzw. kirchlichen Sozialismus, sind weiterhin nicht nur in den klassisch linken Parteien (SPD, Die Grünen, LINKE) zu verorten, sondern- für viele durchaus überraschend- auch fest verankert in der CDU/CSU.[ii]

Ein solch kirchlicher Sozialismus existiert, natürlich je nach konfessioneller Spielart, in allen Kirchen und Freikirchen. Dort wird dieser durchaus theologisch begründet, als politisch-diakonische Befreiungstheologie, als eschatologische Vorwegnahme des kommenden Gottesreiches oder als ein auf Fragen des Sozialen oder der Gerechtigkeit dekonstruiertes Evangelium vertreten.

Was nun gleich gänzlich ausgeschlossen werden kann, ist die Behauptung, es gäbe überhaupt einen Unterschied zwischen normalen und kirchlichen Sozialismus.[iii]

Betrachtet man die unrühmliche Geschichte bzw. den fehlenden Erfolg der bisherigen Versuche mit Hilfe des Sozialismus/Kommunismus, eine funktionierende bzw. gerechte Staats- und Gesellschaftsordnung zu errichten, ist festzustellen, dass dessen Scheitern eine logische Folge dieser Ideologie darstellt.

Nehmen – Sozialismus

Sozialismus, also die Verstaatlichung der Produktionsmittel, der Umverteilung des Privatvermögens bis Gleichheit erreicht ist, muss als „Wirtschaftsform des Nehmens“ (Prof. Martin Rhonheimer[iv]) bezeichnet werden. Die Idee des Sozialismus ignoriert die Natur des gefallenen Menschen bzw. appelliert an dessen schlechtesten Eigenschaften: Neid, Faulheit, Initiativlosigkeit, Vorteilsnahme etc. In der Realität bedeutet dies ohne Ausnahme: Umverteilung bis alle gleich arm sind.

Wieso halten trotzdem viele Christen, selbst wenn sie nicht durch den real existierenden Sozialismus sozialisiert wurden, ausgerechnet Sozialismus für christlich akzeptabel oder gar geboten?

Offensichtlich deshalb, weil ihnen die Utopie des Sozialismus suggeriert, durch allgemeine Gleichheit eine gerechte Wirtschafts- bzw. Sozialordnung herstellen zu können. Bei näherer Betrachtung ist jedoch offenkundig, dass durch Gleichheit keine „Gerechtigkeit“ und erst recht kein wirtschaftlicher Erfolg hergestellt werden kann.

Bereits der griechische Philosoph Aristoteles zeigte auf, dass Gerechtigkeit bedeutet Gleiche gleich und Ungleiche ungleich zu behandeln (Aristoteles’ Grundsatz formaler Gerechtigkeit[v]). Ökonomisch ausgedrückt: Gerecht ist, wenn das Gleiche nur der bekommt, der das Gleiche tut.

Viele Christen lehnen Kapitalismus aber auch wegen seines schlechten Rufes ab bzw. sie gar nicht wissen was diesen ausmacht.

Durch Karl Marx abwertend verwandte Begriffe wie „Kapitalismus“, „Kapital“ oder „Kapitalist“, werden heute ganz allgemein, nicht erst durch die Kritik am „Raubtier- oder Turbokapitalismus“ negativ verwendet und als unsozial grundsätzlich abgelehnt. [vi]

Dabei ist bspw. das Sparen d.h. das Ansammeln von Kapital ein positives und wesentliches wirtschaftliches Element, nicht primär um reich zu werden, sondern auch um für Zeiten der Not vorzusorgen.

Geben – Kapitalismus

Der Kapitalismus, die Marktwirtschaft als Sozial- und Wirtschaftssystem, erkennt dagegen die sündhafte und eigennützige Natur des Menschen an und basiert auf dem oben angeführten simplen aristotelischen Prinzip. Er fördert individuelle Freiheit und Selbstverantwortung: Man erntet was man sät. So wie der Sozialismus die Wirtschaftsform des Nehmens ist, ist der Kapitalismus letztlich die „Wirtschaftsform des Gebens“ (Prof. Martin Rhonheimer):

„Die Marktwirtschaft ist durch zwei Elemente gekennzeichnet: es besteht Sondereigentum an den Produktionsmitteln und Arbeitsteilung. Jeder handelt für sich, doch jedermanns Handeln ist mittelbar auch auf die Erfüllung der Zwecke der anderen Handelnden gerichtet. (…) Jeder gibt, um zu empfangen; jeder dient, um bedient und bedankt zu werden. Jeder ist Zweck und Mittel zugleich: Zweck sich selbst und Mittel allen anderen zur Erreichung ihrer Zwecke.“ Ludwig von Mises, „Nationalökonomie. Theorie des Handelns und Wirtschaftens“

Kapitalismus stellt den Menschen, dessen natürliche Rechte, inklusive dessen individuelle Freiheit, und sein privates Eigentum in den Mittelpunkt eines gerechten Sozialsystems. Jeder kann reicher, aber auch ärmer werden. Jeder Mensch hat seine wirtschaftliche Situation, gewissermaßen selbst in der Hand.

Auf der Suche nach einer christlich gebotenen Wirtschafts- und Sozialordnung wäre also besser gefragt, ob eine Wirtschaftsordnung möglich ist, welche das biblische Urteil über die Gegebenheiten dieser Welt und des Menschen anerkennt und sich daran ausrichtet.

Geben ist seliger als nehmen – Christliches Wirtschaftsverständnis

Gleich zu Beginn der Geschichte wurde der Mensch aus dem Paradies, dem tatsächlich biblischen „Utopia“ vertrieben. Damit stand und steht auch das soziale und wirtschaftliche Handeln in dieser Welt, unter den Folgen des Sündenfalls (Mühsal und Anstrengung[vii]).

Durch die Schrift zieht sich ein roter Faden, nach dem Haushalterschaft (sinnvolles, sparsames Wirtschaften) nicht bloß erstrebenswerte Tugenden sind, sondern sich daraus gerechte Folgen für das Leben ergeben[viii].

Kapitalismus, als säkulare Ordnung in Fragen der Wirtschafts- und Sozialordnung ist somit nicht nur vorteilhaft und effizient, weil sie der menschlichen Natur entspricht, Kapitalismus kann aus christlich-ethischer Sicht durchaus als geboten bezeichnet werden.

Moralität (Eigeninitiative, Freiheit und Selbstverantwortung) und Ethik (Wahlfreiheit und Verantwortung für das eigene Handeln) sind Voraussetzung und notwendiger Rahmen eines funktionierenden Marktes. Wer auf Grundlage des biblischen Prinzips der Haushalterschaft, mit Voraussicht, Fleiß, Selbstbeherrschung, Kooperationsbereitschaft wirtschaftet, wird für seine Mühsal und Anstrengung belohnt.

Der Kapitalismus entspricht somit sowohl am besten der Natur des Menschen, wie er die effektivste Ordnung des Wirtschaftens ist.

 

[i] http://www.linke-buecher.de/texte/romane-etc/Morus–%20Utopia.pdf

[ii] (Strömungen innerhalb des deutschen politischen Katholizismus, die sich aus religiösen Motiven auf der linken Seite des politischen Spektrums positionierten s. a.  Zentrumspartei). Bekannteste Beispiele: der „Herz-Jesu-Sozialist“ Norbert Blüm, Heiner Geissler oder Rita Süssmuth. Quelle: http://www.kas.de/wf/de/71.8820/

[iii] „Der kirchliche Sozialismus, wie er in den letzten Jahrzehnten bei zahlreichen Bekennern aller christlichen Kirchen Fuß gefasst hat, ist nichts anderes als eine Spielart des Staatssozialismus. Staatssozialismus und kirchlicher Sozialismus sind so sehr ineinander verwachsen, dass es schwerfällt, zwischen ihnen eine feste Grenze zu ziehen und von einzelnen Sozialpolitikern zu sagen, ob sie dieser oder jener Richtung angehören.“ Quelle: Ludwig von Mises, Die Gemeinwirtschaft – Untersuchungen über den Sozialismus (1922) http://docs.mises.de/Mises/Mises_Gemeinwirtschaft.pdf

[iv] Prof. Martin Rhonheimer, http://austrian-institute.org/christliche-sozialethik-und-kapitalismus/

[v] http://www.qe-gm.at/produkte/downloads/Band%202/Schmid_Gleichheit-und-Gerechtigkeit.pdf

[vi] „In einer aktuellen Umfrage der Harvard University lehnten 51% der Generation Y den Kapitalismus ab, während 33% den Sozialismus befürworteten.“ Quelle: http://www.misesde.org/?p=14601

[vii] 1Mose3:16-19 Und zur Frau sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Mann sein, aber er soll dein Herr sein. Und zum Mann sprach er: Weil du gehorcht hast der Stimme deiner Frau und gegessen von dem Baum, von dem ich dir gebot und sprach: Du sollst nicht davon essen –, verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst du dich von ihm nähren dein Leben lang. Dornen und Disteln soll er dir tragen, und du sollst das Kraut auf dem Felde essen. Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde wirst, davon du genommen bist. Denn Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück.

[viii] Spr21:5 Das Planen eines Emsigen bringt Überfluss; wer aber hastet, dem wird’s mangeln.; Spr10:4 Lässige Hand macht arm; aber der Fleißigen Hand macht reich.; 1Thess 4,11 und eure Ehre darein setzt, dass ihr ein stilles Leben führt und das Eure schafft und mit euren eigenen Händen arbeitet, wie wir euch geboten haben,; 2Thess 3,10 Denn schon als wir bei euch waren, geboten wir euch: Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen.

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Social Media und unsere Verantwortung

Ist man als Blogger oder Poster bei Facebook, Twitter etc. grundsätzlich „Lehrer„?

Auf ChristianityToday stellt John Dyer (hier) eine solche These auf:

What few of us realize is that when we press those „Publish,“ „Post,“ „Comment,“ and „Send“ buttons, we are making the shift away from merely „believing“ truth and stepping into the arena of publishing that belief. In doing so we are effectively assuming a position of leadership and teaching that prior to 2004 was not available to us.

Begibt sich damit jeder Blogger, jeder, der bspw. etwas auf Facebook postet in diese „Arena„, oder bedeutet dies nicht ebenso schlicht „Rede und Antwort“ nach 1Petr3:15 zu stehen, über die Hoffnung die einen erfüllt?

Ich denke die Grenze ist fließend.

Bezweifelt werden darf, dass sich wirklich jeder Gedanken über die Tragweite seiner öffentlichen Äußerungen und der damit einhergehenden Verantwortung macht.

Ohne Social Media blieb früher alles im kleinen, privaten oder zumindest inner-gemeindlich überschaubaren Rahmen, konnte entweder schnell korrigiert werden bzw. richtete nur begrenzten Schaden an.

Heute jedoch- befeuert durch die neuen Medien gibt es- wenn nicht unzählige Lehrer- zumindest Multiplikatoren von Lehre. Zudem mit erheblicher, potentiell weltweiter Reichweite.

Zu Bloggen oder auf Facebook unterwegs zu sein birgt ohne Zweifel viele Möglichkeiten, jedoch werden Lehrer aus biblischer Perspektive mit einem anderen Maß gemessen bzw. tragen eine andere Verantwortung als einfache Gläubige.

„Liebe Brüder, unterwinde sich nicht jedermann, Lehrer zu sein, und wisset, daß wir desto mehr Urteil empfangen werden.“ Jakobus 3:1.

Das Liken oder Teilen von Beiträgen bestimmter Lehrer oder Theologen, das Schreiben unterstützender Artikel für  diese kommt dem Lehren an sich u. U. gleich. Dies mag in der Tragweite durchaus unterschiedlich sein und bewertet werden, dürfte sich aber, nach kurzem überlegen selbst erklären. Insbesondere im evangelikalen Raum ist die Grenze zwischen Lehrern und Gemeindegliedern ohnehin stark verwaschen.

Aufgestoßen ist mir dieses Thema nun erneut durch die vielen positiven Reaktionen diverser Evangelikaler, auch eher konservativer Blogger auf die MEHR-Konferenz von Johannes Hartl bzw. ihn persönlich.

Es ist nun durchaus eine Sache mit J. Hartl persönlich im Gespräch zu bleiben, eine andere jedoch, von ihm durchgeführte „Gottesdienste“ mitzufeiern oder ihn und seine Vorträge durch positive Artikel auf Blogs, Liken, Teilen bei Facebook, Twitter zu unterstützen und zu promoten.

Wichtig: Es geht hierbei nicht um Personen, sondern um die transportierte Lehre!

Immer wieder und ich meine wirklich immer wieder, wird Kritikern entgegengebracht bzw. behauptet, man solle doch „alles prüfen und das Gute behalten“. Womit man sich vermeintlich auf 1. Thess 5,21 beruft:

„Prüft alles, das Gute behaltet!“

Ist hier gemeint, Gläubige können oder sollen nun „Gutes“ bei geistlich fragwürdigen Lehrern, eventuell sogar bei Irrlehren zu suchen? Nein, das ist definitiv nicht gemeint. Der Kontext stellt eindeutig heraus, dass hier nicht jeder oder gar Irrlehrer, sondern Gläubige die weissagen (unabhängig des diesbezüglichen Verständnisses) gemeint sind.

Ein weiterer Irrtum in dieser Debatte ist der ständige Verweis auf das „Stückwerk“ aus 1. Kor. 13,9. Wieder unabhängig möglicher Interpretationsmöglichkeiten, steht eines fest: Das jeweilige „Stückwerk“ (Erkenntnis, Weissagung) an sich, ist jeweils unvermischt gut.

Gemeinden und Gläubigen wird vielmehr geboten, sich vor dem Sauerteig zu hüten und Irrlehre und Irrlehrer abzuweisen.

„Ihr lieft gut; wer hat euch aufgehalten, daß ihr der Wahrheit nicht gehorcht? Die Überredung kommt nicht von dem, der euch berufen hat! Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig. Ich traue euch zu in dem Herrn, daß ihr nicht anders gesinnt sein werdet; wer euch aber verwirrt, der wird das Urteil tragen, wer er auch sei.“ Gal 5,7-10

Wann aber ist etwas „gut“ bzw. gibt es überhaupt etwas tatsächlich ausschließlich „Gutes“? Ja, die Bibel kennt eindeutig unverfälscht „Gutes“ und nein, es gibt nicht „ein wenig Gutes“ zusammen mit etwas Bösem, welches man „prüfen und behalten“ kann.

Das „Gute“, also das Evangelium, kann nur dann wirklich gut sein, wenn es unvermischt mit dem Bösen ist.

Ich ermahne euch aber, ihr Brüder: Gebt acht auf die, welche Trennungen und Ärgernisse bewirken im Widerspruch zu der Lehre, die ihr gelernt habt, und meidet sie! Denn solche dienen nicht unserem Herrn Jesus Christus, sondern ihrem eigenen Bauch, und durch wohlklingende Reden und schöne Worte verführen sie die Herzen der Arglosen. Denn euer Gehorsam ist überall bekanntgeworden. Darum freue ich mich euretwegen, möchte aber, daß ihr weise seid zum Guten und unvermischt bleibt mit dem Bösen. Röm 16,17-19

Ginge es nun nur um jene, welche von J. Hartl begeistert sind, wäre dies keinen Artikel, keine Diskussion wert. Aber es geht um mehr!

Zum einen darum, „die Kleinen“, also die im Glauben Schwachen oder Neubekehrten nicht in Gefahr zu bringen verführt zu werden, zum anderen aber auch darum, nicht vorschnell „die Hände aufzulegen“, also Personen in Verantwortung zu bringen bzw. als geistlich koscher zu adeln.

„Wehe denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die Finsternis zu Licht und Licht zu Finsternis erklären, die Bitteres süß und Süßes bitter nennen!“ (Jes 5,20),

Eine neutrale bzw. Grauzone existiert dabei nicht. Entweder gut oder böse. Das wahre, einmal überlieferte Evangelium oder falsches Evangelium. Wo nun Sauerteig öffentlich positiv begleitet, verteidigt oder sogar beworben wird, hier die römische-katholische Lehre, trägt man ebenfalls Verantwortung für die verbreitete Lehre und für die Verführung, wie die eigentlichen Irrlehrer.

Glaubenskurse

Die Notwendigkeit gläubig gewordene Menschen in den Grundlagen christlichen Glaubens zu unterrichten ist nicht nur ein biblischer Auftrag an die Kirche, er besteht ohne jeden Zweifel. In traditionellen bzw. konfessionellen Kirchen existiert dazu der katechetische Unterricht.

Für schriftorientierte Gemeinden ist der leider weitverbreitete Alphakurs definitiv abzulehnen. In diesem biblisch defizitären Konzept ist Mission eine Art menschlich möglicher und optimierbarer Überzeugungsarbeit, der Heilige Geist wird im Gegenzug auf eine Art Wundergabenausteilender degradiert und weder die Heiligkeit Gottes, noch die Sündhaftigkeit des Menschen werden angemessen bzw. überhaupt behandelt.

Es existieren jedoch durchaus empfehlenswerte Glaubenskurse:

Adventszeit

Die Adventszeit hat begonnen und damit auch das große Weihnachstgeschäft.

In früheren Jahrhunderten besaßen die Menschen noch eine ungefähre Ahnung davon, was „Advent“ eigentlich bedeutet: Eine Zeit der Besinnung auf Gott und Seinen Heilsplan. Wer sich heute fragt, was es damit auf sich hat, schaut vielleicht bei Wikipedia nach und liest den ersten Satz:

Advent (lateinisch adventus „Ankunft“), eigentlich Adventus Domini (lat. für Ankunft des Herrn), bezeichnet die Jahreszeit, in der die Christenheit sich auf das Fest der Geburt Jesu Christi, Weihnachten, vorbereitet. Die Christen gedenken der Geburt Jesu und feiern sie als Menschwerdung Gottes. Zugleich erinnert der Advent daran, dass Christen das zweite Kommen Jesu Christi erwarten sollen. Mit dem ersten Adventssonntag beginnt nach katholischer wie evangelischer Tradition auch das neue Kirchenjahr.

Der Ursprung der Adventszeit reicht bis in das 7. Jahrhundert zurück. Man bezeichnete sie als „Zeit vor der Geburt des Herrn“) oder „Zeit der Ankunft des Herrn“. Mit dem ersten Adventssonntag beginnt auch das neue Kirchenjahr.

Die Kirche in den ersten Jahrhunderten feierte den Advent als Fastenzeit zwischen dem 11. November und dem ursprünglichen Weihnachtstermin am 6. Januar. Später wurde im Westen der 25. Dezember als Weihnachttermin und die Zahl der Adventssonntage auf vier festgelegt und auch kein Fasten mehr verlangt.

Alle Adventssonntage haben ihre Namen mit einer jeweiligen Bedeutung:

1. Advent: „Erdenadvent“ (Lukas 2, 1-20)
Jesus Christus kam zu uns als kleines Kind in Bethlehem.
Der erste Advent steht für das erste Kommen unseres Herrn.

2. Advent: „Herzadvent“ (Apostelgeschichte 2)
Jesus Christus kommt heute zu dir und wohnt in deinem Herzen.
Der zweite Advent steht für Pfingsten. Gott will durch den Heiligen Geist in unsere Herzen kommen und darin wohnen.

3. Advent: „Brautadvent“  (Apostelgeschichte 1, 10+11)
Jesus Christus wird am Jüngsten Tag als König auf unsere Erde wiederkommen.
Der dritte Advent steht für die Wiederkunft Christi.

3. Advent: „Königsadvent“ (Matthäus 25, 31-46)
Jesus Christus kommt heute zu dir und bringt Licht in dein Leben.

In diesem Sinn wünsche ich allen Geschwistern eine gesegnete Adventszeit!

sdg
Andreas

Johannes Hartl – Brückenkopf zwischen Katholizismus und Evangelikalismus

Johannes Hartl, deutscher katholischer Theologe, Buchautor, Referent, Liedermacher und Gründer und Leiter des Gebetshauses in Augsburg. So steht es bei Wikipedia. Ebenso steht dort, dass er in der „charismatischen Erneuerungsbewegung wesentliche Impulse für seinen christlichen Glauben“ erhalten habe.

Neulich bei HossaTalk, einem emergenten, links-evangelikalen Podcast: Johannes Hartl ist zu einem Gespräch eingeladen und erzählt unter anderem über seine Begegnung mit Gott.

Er sei bei einer religiösen Familie aufgewachsen. Mit 14 Jahren aber eher an Partys, Beziehungen und Dope interessiert gewesen. Ein echter Hippie eben, jedoch ohne echte Befriedigung im Leben.
Aktiv auf der Suche nach Gott sei er damals nicht gewesen, dennoch mal zu einem Treffen mit christlichen Jugendlichen mitgeschleppt worden. Die Möglichkeit dort mit sich beten zu lassen mehr aus Langeweile wahrgenommen, habe er dabei jedoch ein Gefühl „verliebt zu sein in eine coole Lady ohne Lady im Leben“ gespürt. Das seine erste Begegnung mit Gott, bzw. dem Heiligen Geist gewesen!

Zu der Zeit kannte er noch keine Worte dafür, sei ihm der „evangelikale Jargon“ unbekannt gewesen. Zurück in seinen Hippiekreis verebbte dieses Gefühl mit der Zeit aber auch wieder. Erst später habe er gehört, dass sich das „Bekehrung“, „Geisttaufe“ nennt.

Hartl kannte keine Christen, ging nicht in Gottesdienste, wurde aber später wieder einmal zu einem Treffen mitgenommen. Dort seien nur Zeugnisse von Erfahrungen mit Gott erzählt worden und davon, wie jemand sein Leben Gott übergeben habe. Das habe er dann auch gemacht und in der Folge ab und zu an einem Gebetskreis teilgenommen. Später sogar eine eigene Gruppe gegründet.

So fing alles an. Soweit seine Bekehrungsgeschichte.

Warum sollte das interessieren? Spannend zunächst einmal die Begegnung zwischen den emergenten, links-evangelikalen HossaTalkern und dem konservativen, charismatischen Katholiken an sich. Unterhaltsam und hörenswert, insbesondere wie der katholische Theologe mal so nebenbei die liberalen Ansätze auseinander nimmt.

Wirklich interessant ist jedoch, dass, J. Hartl mittlerweile durchaus eine feste Größe in der evangelikalen Szene ist. In seinem Gebetshaus, auf seinen Konferenzen sind Evangelikale ebenso zu finden, wie Hartls Bücher auf den Büchertischen evangelikaler Gemeinden oder Links und Empfehlungen auf evangelikalen Blogs.

Hartl beschreibt sich in dem Gespräch weiter als Mystiker, der seine Spiritualität auf eine ganzheitliche Weise, sein Christsein weniger verkopft, radikal und leidenschaftlich leben will. Im Prinzip ein Gegenentwurf zur evangelikalen Bewegung, die er folgerichtig als verkopft, nicht ganzheitlich, mit wenig Sinn für Kunst und Wissenschaft charakterisiert.

Dennoch, oder gerade deswegen gelingt es ihm, auf viele Evangelikale attraktiv zu wirken und weit in die evangelikale Bewegung hineinzuwirken. HossaTalk bringt es auf den Punkt, benennt unwidersprochen von Hartl die Ursache dafür:

Hartl schaffe es (bspw. mit seinem Buch „Einfach Gebet“) katholische Spiritualität für evangelische Christen so aufzubereiten, dass sie nicht so katholisch und für diese anwendbar ist. Insbesondere die Charismatik sei dabei Brücke zwischen den Welten.

Und ja, es bleiben unterschiedliche, in vielen Punkten gegensätzliche Welten. Auch wenn er z. B. nicht so weit gehen will, sein Gebetshaus als modernes Kloster zu bezeichnen, ordnet er dieses in eben diese spirituelle Kategorie ein.

Da wären wir also nun. Auf der einen Seite ein katholischer Geistlicher, dem in einem Gutachten des Bistums Augsburg ausdrücklich bestätigt wird, ganz im Einklang mit katholischer Tradition und Theologie zu stehen:

„Aufgrund der immer größer werdenden Zahl der Teilnehmer am Leben und an den Initiativen des Gebetshauses e.V. sahen sich die Verantwortlichen des Bistums Augsburg veranlasst, Intention, Zielsetzung, und vor allem auch die theologischen Grundlagen des Gebetshauses eingehend zu prüfen. Dies geschah in einem längeren Prozess, dabei wurden auch zahlreiche Personen befragt. Als Ergebnis dieser Prüfung wurde festgestellt, dass im Gebetshaus nichts gelehrt und verkündet wird, was im Gegensatz zur Lehre der katholischen Kirche steht.“

Auf der anderen Seite die Evangelikalen. Christen also, die sich durchaus auf die Reformation berufen und damit klar im Widerspruch zu katholischer Tradition und Theologie stehen.

Im Gebetshaus lehrt und lebt Hartl mystische Frömmigkeit und religiöse Erfahrungen, nicht das Wort Gottes, nicht der Christus der Bibel stehen im Mittelpunkt. Hartl vermittelt die katholische Lehre in einer Sprache, die den Evangelikalen vertraut ist, die jedoch nach eingehender Prüfung des Bistums inhaltlich völlig im Einklang mit der römisch-katholischen Theologie und Tradition steht.

Hartl dient als Brückenkopf zwischen Katholizismus und Evangelikalismus. Und dies auf eine Weise, welche die „verkopften und nicht ganzheitlich“ bezeichneten Evangelikalen verstehen und kennen: Über- zumeist charismatische- Erfahrungen. Seine Bekehrungsgeschichte zeigt dies beispielhaft. Es ist nicht Gottes Wort, durch das er Gott begegnet ist, sondern ein Gefühl „verliebt zu sein in eine coole Lady ohne Lady im Leben“. Ein Gefühl oder eine charismatische Erfahrung, welche er im Rückblick als „Geisttaufe“ bzw. „Bekehrung“ und Begegnung mit Gott bezeichnet.

Und eben diese Vertrautheit von Sprache, Gefühl und Erfahrung birgt eine enorme Gefahr. Denn selbst gestandene Christen lassen sich blenden.

Was daher klar und unmissverständlich gesagt werden muss ist: Johannes Hartl vertritt weder evangelische noch evangelikale Positionen, sondern zu 100% katholische Theologie. Wer mit ihm geistlich zusammenarbeitet, auf ihn verweist, ihn zitiert unterstützt sein Anliegen und gefährdet Geschwister, die nicht unterscheiden können.

Nähere Informationen zu Hartls Theologie ist beim Bibelbund in einem sehr guten Artikel von Michael Kotsch zu finden: Hartl – Werbung für Charismatik und römisch-katholische Kirche

Gerüchte

Das Internet ist ein überaus nützliches Medium. Es kann jedoch, wie alle Dinge dieser Welt, sowohl positiv, wie negativ eingesetzt werden.

Eines der negativsten Dinge ist das Gerücht. Aktuell ist oftmals von Fake News oder Hoax die Rede. Dies sind lediglich moderne Begriffe für genau denselben Sachverhalt.

Ein Gerücht (griech. pheme bzw. phama; lat. fama), auch Ondit (frz. on dit ‚man sagt‘), ist eine unverbürgte Nachricht, die stets von allgemeinem bzw. öffentlichem Interesse ist, sich diffus verbreitet und deren Inhalt mehr oder weniger starken Veränderungen unterliegt.
Wikipedia

Ohne Zweifel beinhalten Gerüchte, Fake News oder Hoax oftmals Wahrheit bzw. Teilwahrheiten. Nicht selten sind es jedoch glatte Lügen. Oftmals beides. In den meisten Fällen jedoch, bedeuten Gerüchte Schaden und Rufschädigung für andere Personen.

Neben Gerüchten, einzelne Personen betreffend, werden auch unzählige Verschwörungstheorien- mit der Bitte, diese doch wiederum dringend weiter zu verteilen- in die Welt gesetzt.

Gerüchte und Verschwörungstheorien sind letztlich nichts anderes als perfide und zersetzende Zerstörungsmittel. Methoden, die Menschen seit Anfang an benutzen, sei es zwischenmenschlich, oder unter Staaten, in der Politik oder im Krieg, um andere Menschen zu vernichten.

Gerüchte vergiftet den Geist des Menschen, fördert Mißtrauen und verursachen Spaltung!

Gerüchte dienen dazu, eigene und selten offen kommunizierte Interessen subtil durchzusetzen, “unliebsame Gegner” anderer Meinung mundtot zu machen.

Wie sollen wir uns als Christen dazu verhalten?

Gerüchte, ob wahr oder unwahr, beschädigen den Ruf einer anderen Person. In den 10 Geboten heißt es:

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
5.Mose 5:20

Der Heidelberger Katechismus zeigt uns eine etwas weitergehende Bedeutung des 9. Gebots- über das Verbot der bloßen Lüge auf und erklärt:

112. Frage: Was will Gott im neunten Gebot?
Ich soll gegen niemanden falsches Zeugnis geben, niemandem seine Worte verdrehen, nicht hinter seinem Rücken reden und ihn nicht verleumden. Ich soll niemanden ungehört und leichtfertig verurteilen helfen und alles Lügen und Betrügen als Werke des Teufels bei Gottes schwerem Zorn vermeiden. Vor Gericht und in all meinem Tun soll ich die Wahrheit lieben, sie aufrichtig sagen und bekennen und auch meines Nächsten Ehre und guten Ruf nach Kräften retten und fördern.

Hier wird deutlich, dass es um mehr als offenkundiges Lügen geht. Gott hat hier vielmehr das grundsätzlich Wohl des anderen im Blick. Wobei es sogar aktiv darum geht, für die Ehre, für den Ruf des anderen einzutreten!

Jesus Sirach, zwar kein inspirierter Autor, jedoch Verfasser manch weisen Wortes, hat dazu u. a. folgendes hinterlassen:

Erzähl nie ein Gerücht weiter, dann kann dir auch kein Schaden daraus entstehen.
Rede über keinen, weder Freund noch Feind!
Du darfst nur dann etwas bekannt machen, wenn du durch Schweigen schuldig würdest.
Wenn du über jemand redest und er erfährt es, dann traut er dir nicht mehr und bald hasst er dich.
Wenn du ein Gerücht hörst, nimm es mit ins Grab!
Hab keine Angst, du wirst nicht davon platzen!
Jesus Sirach* 19,7-10

 

Ein hoher Anspruch an dem wir alle wohl schon oft gescheitert sind und weiterhin werden! Aber unser Herr ruf uns dennoch zu, die Sünde zu lassen, der Heiligung nachzujagen, die Werke des Fleisches zu töten…

sdg
Andreas

*Luther über Jesus Sirach und andere Apokryphen:
„Das sind Bücher, so der Heiligen Schrift nicht gleich gehalten und doch nützlich und gut zu lesen sind.“