Genießer oder Sklave? – Die wahre Identität in Christus

Von Thorsten Brenscheidt

Unzählige Ratgeber, das Leben zu gestalten, überschwemmen den christlichen Büchermarkt. Dabei fällt

auf, das ein neuer Schwerpunkt aus dem säkularen Wellness-Bereich übernommen wird, nämlich das

Leben zu geniessen, lustvoll und mit allen Sinnen. Auch Evangelikale werden jetzt dazu angeleitet, sich

selbst zu verwöhnen, sich etwas Gutes zu tun und eben das Leben so richtig zu geniessen.

weiter…

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Die Frage nach der Bibeltreue oder nach der Farbe meiner Spiritualität

Christian A. Schwarz ist ein einflussreicher praktischer Theologe. Sein „Institut für natürliche Gemeindeentwicklung“ hat bereits mit mehr als 60.000 Gemeinden in 70 Ländern zusammengearbeitet. In seinem Buch „Die 3 Farben deiner Spiritualität“ stellt er verschiedene Wege der Gottesbegegnung heraus. Das Buch erhebt den Anspruch einer „fundamentalen Entdeckung“1.

Auf dieser Grundlage „entwirft das Buch einen Wachstumsplan, der zu Leidenschaft, Balance und Reife führt.“2 Aus der Vielfalt von geistlichen Stilen entwickelt Schwarz neun Haupttypen in einen „Trinitarischen Kompass“3. Schwarz behauptet, dass „in Jesus alle neun Stile ihre Einheit finden“4. Er „repräsentiert das Ganze“5. Dass es von nüchtern bis schwärmerisch und von bibeltreu bis liberal unterschiedliche Ausprägungen christlichen Glaubens gibt, ist offensichtlich. Diese einander gegensätzlichen Stile als Vielfalt und Bereicherung anzusehen, deutet bereits an, dass ein anderer Maßstab angelegt wird. Bei Schwarz sind nämlich sämtliche Ausprägungen gleichberechtigt. So sind nicht die einen bibeltreu und die anderen eben nicht, sondern die einen sind mehr bibelzentriert und die anderen eben mystisch oder enthusiastisch. Auf diese diplomatische Weise lässt sich zum Beispiel der Gegensatz „nüchtern-schwärmerisch“ darstellen. „Da geht es nicht um ‚schlechten Glauben’ versus ‚guten Glauben’“6, schreibt Schwarz.

Es geht „um verschiedene – jeweils positive, aber ergänzungsbedürftige – Weisen der Begegnung mit Gott.“7 Damit werden neben biblisch legitimen Stilen wie „bibelzentriert“, „rechtgläubig“ und „missionarisch“ auch so genannte Stile wie „sinnlich“, „sakramental“, „mystisch“ und „enthusiastisch“ als mindestens ebenso positiv angesehen. Kein Stil ist an sich besser. Der eine ist eben „stärker extrovertiert“ (‚Arme hoch’), der andere stärker introvertiert (‚Kopf runter’)“8. Bibelzentriertheit bedarf der Ergänzung durch die Mystik, Rechtgläubigkeit der Ergänzung durch Enthusiasmus und umgekehrt. Dass im Neuen Testament nie dazu aufgefordert wird, enthusiastisch zu sein, mehrfach aber, nüchtern zu sein (1Kor 15,34; 1Thes 5,6-8; 1Tim 3,2.11; 2Tim 2,26.4,5; Tit 2,2; 1Pet 1,13.4,7.5,8), tut hier nichts zur Sache. Das Kriterium „biblisch“ gilt nach Schwarz ausnahmslos für alle neun Typen. Daher ist es nicht als Einzeltyp markiert. Wer „bibelzentriert“ ist, hat einfach nur eine andere „Antenne“ für Gott. Jeder Stil soll als „Antenne für das Göttliche“9 gesehen werden, denn „Gott sendet auf allen neun Kanälen“10. Will jemand nur bibelzentriert und rechtgläubig sein, hat er eben nur zwei Kanäle auf Empfang eingestellt.

Um dieses Defizit zu beheben, „bedarf es im Blick auf die neun Kanäle, über die Gott mit uns kommuniziert, bisweilen einiger Übung, bevor wir etwas empfangen können.“11 Mystik einzuüben ist damit also nicht nur legitim, sondern gar eine Bereicherung in der Gottesbegegnung. Kriterium für den richtigen Schlüssel zu Gott ist das persönliche Erleben in Form von „Spüren“ und „Fühlen“. Die Erklärung von Schwarz sei hier im Zusammenhang zitiert: „Bei jedem Stil ist es hilfreich zu fragen, wann bzw. an welchen Orten die Menschen, die diesen Stil haben, sich Gott ganz besonders nahe fühlen. Dabei ist es freilich so, dass uns Gott in diesen Situationen objektiv näher wäre als in anderen. Aber wir spüren seine Nähe stärker, wir fühlen uns ihm näher. Bei manchen Menschen stellt sich dieses Gefühl ein, wenn sie in großen charismatischen Konferenzen etwas erleben, was über ihren Verstand hinausgeht. Bei anderen ist eine feierliche, von Liturgie und Wiederholung geprägte Atmosphäre wichtig, um das Gefühl der Nähe zu Gott zu erzeugen.“12 (Hervorhebung im Original.) In diesem Zitat wird neben der Gleichberechtigung unterschiedlicher Stile außerdem deutlich, dass man ein Gefühl der Gottesnähe „erzeugen“ bzw. selber machen kann. Der Gläubige kann hierbei auswählen, welcher Stil am besten seinem Gefühl bzw. Wohlgefühl entspricht. Durch diese Bedürfnisorientiertheit verkommt der Glaube von der Christusnachfolge zur Gefühlsnachfolge.

Betanien Konferenz 2011

Am Samstag, den 10. September 2011, findet die 3. Betanien-Konferenz mit dem Thema: „Geistliches Unterscheidungsvermögen lernen & fördern. Wie stärken und schützen wir unsere Gemeinden?“ statt.

Referenten und Vortragsthemen:

  1. Thorsten Brenscheidt: Neue Trends in Gemeinden – Ursachen und Folgen. Wie gehen wir damit um?
  2. Martin Erdmann: Die systematische Verführung durch die evangelikale Machtelite
  3. Hans-Werner Deppe: Die Stimme des Hirten: Wegweisung durch ein klares Evangelium
  4. Dirk Noll: Hab acht auf dich selbst und auf die Lehre!

Quelle

Weitere reformatorisch/reformierte Konferenzen in 2011 hier

Was ist JesusHouse?

Derzeit findet vom 30. März bis zum 2. April das diesjährige JesusHouse in der Stuttgarter Porsche-Arena statt. Was ist „JesusHouse“? Im SCM Musik-Newsletter heißt es dazu bezeichnend:

JesusHouse ist eine Mischung aus christlichem Popkonzert, Talkshow und Gottesdienst, auch unter dem Begriff Evangelisations-Event bekannt.

Thorsten Brenscheidt hat bereits eine kurze, erste Reaktion zum ersten Abend bzw. der Frage, was „JesusHouse“ ist , verfaßt.

Was ist JesusHouse? Offiziell wird es als „Jugendevangelisation“ von ProChrist europaweit per Sattelit in mitarbeitende Gemeinden der Evangelischen Allianz übertragen. Die Gesamtkosten betragen rund 3 Millionen (!) Euro. Wofür so viel Geld? Auf dem Kurzvideo wird es schnell deutlich: JesusHouse ist eine aufwendige Unterhaltungsshow – viel Rock, Rap, Diskolicht, Coolness, Feeling, Action, Stimmung, La-Ola-Wellen usw. Die Botschaft von Matthias Clausen ist erschreckend einseitig: Gott lebt, sucht, wartet. Der „Evangelist“ erwähnt mit keiner Silbe, dass der Mensch getrennt ist von Gott. Schuld, Sünde, Verlorensein, Finsternis, Gericht, Hölle, Zorn, Vergebung, Sühne, Buße, Umkehr, Bekehrung, Nachfolge, Jüngerschaft, Kosten überschlagen usw. werden komplett ausgeblendet. Clausen betont in seiner Predigt und einem „Übergabegebet“ (?) lediglich, dass man halt mit Gott leben kann, wenn mal will. Dass und warum das Evangelium als die „Gute Nachricht“ und „Frohe Botschaft“ überhaupt notwendig ist, bleibt außen vor. Selbst die Verkündigung von Torsten Hebel und Christina Riecke (heute: Christina Brudereck) bei JesusHouse 2004 war klarer. Hier wurde wenigstens mal erwähnt, dass der Mensch getrennt ist von Gott. Von biblischer Klarheit und Konsequenz konnte seinerzeit leider auch nicht die Rede sein. Clausen wirkt aber noch weniger herausfordernd und eher soft und smart. Damit ist noch mehr zu verstehen, dass der Jugendevangelist Ralf Steinhart als Gastprediger von JesusHouse 2010 in Freiburg entlassen wurde. Er hatte in seiner Verkündigung Gericht und Hölle erwähnt. Die Veranstalter begründeten die Entlassung damit, dass sie sich von „Drohungen, Druck und Absolutheitsansprüchen“ distanzieren. Am Rande bemerkt: Das Thema des ersten Abends von JesusHouse 2011 hieß „gott?“. „gott“ kleingeschrieben, bedeutet im Englischen Götze: „god“. Wenn Gott gemeint ist, wird es groß geschrieben: „God“. Bei JesusHouse 2007 wurde abfällig erklärt, um wen es geht: „Jesus. Ein Kerl Anfang 30 …“ Wenn der Herr aller Herren nur noch ein „Kerl“ ist, der keinem zunahe treten will, kann von Bekehrung nicht mehr die Rede sein, aber auch nicht von Evangelisation.

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Blog of Johannes: Jesus House 2011 – Fazit

"Faszination Bibel", eine neue Zeitschrift als "Schlüssel", die Bibel-Müden zu erwecken

Die Auswirkungen der Zeitschrift „Aufatmen

„Jaja, die Bibel ist wichtig, aber …“ – Die Aussage klingt genervt. Bibellesen ist „eigentlich wichtig“, aber „umgeben von einem unangenehmen Geruch aus Pflicht und Routine“. So wirbt ein Verlag für seine neue Zeitschrift „Faszination Bibel“ und lädt ein zur „Selbsthilfegruppe der Bibel-Unlustigen“.

Es handelt sich um den Bundes-Verlag in Witten, der 1996 mit der Zeitschrift „Aufatmen“ neoevangelikale Trends setzte und wie kein anderer einen großen Einfluss auf evangelikale Christen ausübte; leider nicht zu bibeltreuer Christusnachfolge, kompromisslosem Festhalten an Gottes Wort und Widerstehen des Zeitgeistes, sondern ganz im Gegenteil: Ökumene, Charismatik, Bibelkritik, Mystik bis hin zum Pantheismus verwirrten, spalteten und säten einen erbärmlichen Zustand unter den Evangelikalen.

Ulrich Eggers, der Leiter von Bundes-Verlag und „Aufatmen“, will lieber „Jesus-treu statt bibeltreu“ sein und zählt sich zu den Redakteuren seines Verlages, „die manchmal Mühe haben, Begeisterung für die Bibel zu empfinden“. Er beschreibt ehrlich die Auswirkungen von „Aufatmen“: „Manch eine/r schöpfte mehr Mut und Hoffnung aus dem Lebenszeugnis anderer als aus der Bibel selbst. … Zugleich war es auffallend, dass trotz mancher Kritik an zu vielen Themenpredigten oder zu bibel-losen Artikeln wenig Alternativen sichtbar wurden: Wo waren die lebendigen Bibel-Artikel, inspirierenden Auslegungen, begeisterten Bibel-Lehrer? Wir hatten das Gefühl: Der Kaiser ist nackt! Wir haben ein Problem! Und: Es muss was getan werden! Denn natürlich sahen auch wir das so: Die Bibel ist zu wichtig, als dass wir Christen sie links liegen lassen dürfen.“ Mit dieser zutreffenden Beschreibung von „Aufatmen“ mit „bibel-losen Artikeln“ und fehlenden „inspirierenden Auslegungen“, macht Eggers ungewollt Anti-Werbung für seine Zeitschrift. Beschämend ist zudem die Erwähnung, die Bibel „nicht links liegen lassen zu dürfen“. Bei all den oben erwähnten fragwürdigen Beigaben bedarf es aber wohl dieser Aussage. Sie offenbart aber, was in der evangelikalen Landschaft angerichtet wurde. Gedacht sind Eggers’ Zeilen natürlich als werbewirksamer Hinweis auf eine neue Zeitschrift aus dem gleichen Hause mit der gleichen Prägung.

Neue Zeitschrift mit „alten“ Ansichten

Sie heißt: „Fazination Bibel“ mit dem Untertitel „Das Buch der Bücher lieben lernen“ und geht mit 300.000 (!) Exemplaren an den Start. Nun könnte man meinen, dass diese Ausrichtung zurück zur Bibel begrüßenswert sei. Grundsätzlich lassen christliche Zeitschriften, die sich schwerpunktmäßig mit der Bibel selbst beschäftigen, die richtige geistliche Haltung erahnen; die Frage ist nur, ob von einem Team mit umstrittenen Autoren so viel anderes als zuvor zu erwarten ist. Kann der Leser biblisch fundierte und seriöse Beiträge erwarten, wenn zum Beispiel Jesus-Freak-Gründer und Volxbibel-Herausgeber Martin Dreyer im Beirat als „Bibelübersetzer“, Jesus-Freak-Pastor „Storch“ (Carsten Schmelzer) und der katholisch-charismatische Liedermacher Albert Frey als Mitautoren vorgestellt werden? Wird durch diese neue Zeitschrift so viel anders, wenn Redaktionsteam und Beirat nach wie vor aus einem ökumenisch-charismatisch-bibelkritischen Umfeld kommen? Die Vorankündigung spricht großmundig von „einem hervorragend besetzten Fachbeirat und einem kreativen Redaktionsteam“, das „Wissen, Erfahrung und praxiserprobte Zugänge in einer einzigartigen Mischung“ bietet. Hier gibt man sich hohe Vorschusslorbeeren, die aus eigenem Munde nach 2Kor 10,18 nicht wirklich überzeugend sein können.

Stil und Ausrichtung

Die Kreativität zeigt sich zum Beispiel durch lustige und lockere Artikel wie „Google Earth trifft Mose: Biblische Geschichte in Satellitenfotos“, wo auf einem Bild Adam und Eva im Paradies nackt auf einer Wiese liegen sollen. Erstellt wurden die Fotos „ein bisschen wie Frankenstein“ vom Designer James Dive, der nach eigenen Angaben keine Beziehung zur Bibel hat.

Kreativ sollen auch Fotos zu einzelnen Bibelstellen sein. So wird ein Autofahrer gezeigt, der sich in seinem Cabrio nur noch am Lenkrad festhält, während seine Beine in der Luft fliegen. Passende Bibelstelle: „‚Er fährt wie ein Verrückter!’ 2. Könige 9,20.“ Und zu Phil 3,2 „Gebt Acht auf die Hunde!“ wird eine Art Bullterrier abgebildet. Eine humorvoll gemeinte, aber doch fragwürdige Haltung, mit Bibeltexten zu scherzen, zumal der Apostel Paulus hier eine ernste Warnung vor den Judaisten meinte.

Das Vorwort der Erstausgabe schließt mit den Worten: „Unsere große Hoffnung ist …“ Doch statt der Hoffnung auf ein vermehrtes Bibellesen heißt es: „Unsere große Hoffnung ist, dass Sie sich zu einem Abo entschließen.“

Was bibeltreuen Christen mit ihrer täglichen Bibellese eine Selbstverständlichkeit ist, erscheint vielen Lesern, die die Vorankündigung zu „Faszination Bibel“ meint, „im grauen Dunst der Pflicht“. Sie haben „5 Bibeln in 4 Übersetzungen in 3 Formaten im Schrank und 0 Bock nur eine davon zu lesen.“ Es sind „Bibel-Müde“, die „viel Frust, Müdigkeit, Erwartungslosigkeit und gescheiterte Versuche“ kennzeichnet. „Sie haben wenig Erwartung, finden die Bibel oft langweilig. Spüren nicht viel vom ‚lebendigen’ Buch. So oft probiert, so wenig passiert. Aber es ist verblüffend: Zugleich hält auch fast jeder Christ die Bibel für wichtig – eigentlich.“ Diese Diagnose ist leider allzu oft zutreffend.

Ein „Schlüssel“ für die „Bibel-Müden“

Aber was macht man nun mit diesen „Bibel-Müden“? Sie brauchen einen „Schlüssel“. Welchen Schlüssel? Die Antwort: Eine „Zeitschrift, die neuen Appetit auf die Bibel macht und Hunger weckt nach mehr“. Bibelleser wissen, dass der „Schlüssel“ zur regelmäßigen und erfüllten Bibellese im persönlichen Gebet, ja in der direkten Vertrauensbeziehung zu Gott selbst liegt. Damit eine Zeitschrift hier hilfreich ist, bedarf es fundierter Hinweise auf die Größe, Heiligkeit, Vertrauenswürdigkeit, Gültigkeit und Allgenügsamkeit der Bibel und eine besondere Betonung ihrer Autorität und Kraft. Gottes Worte „sind Geist und sind Leben“ (Joh 6,63). Doch können Autoren von „Faszination Bibel“ wie Martin Dreyer etwas von der Heiligkeit und zahlreiche bibelkritische Theologen von der Inspiration der Bibel entscheidend vermitteln?

Jedem seine Meinung, jedem seine Bibel

FeG-Pastor Dr. Christoph Schrodt geht in seinem Artikel dem „schillernden Begriff“ der Inspiration nach. Eher distanziert formuliert er: „Vertreter der Lehre von der Verbalinspiration meinen …“ und urteilt: „Aber sie führt, wenn sie streng verstanden wird, zur größtmöglichen Verunsicherung: Eine in diesem Sinne ‚inspirierte Bibel’ gibt es nirgends auf der Welt!“ Schließlich führt er aus: „Er (Gott) beschlagnahmt diese konkreten Worte der Bibel und macht es zu seinem eigenen Wort.“. Ist hier nicht die Gefahr des Subjektivismus gegeben? „Es ist Gottes Wort nicht im Sinne eines abgesicherten, unfehlbaren Wortbestandes oder Buchstabensystems. … Dass die Bibel inspiriert ist, lässt sich nicht beweisen. Gottes Wort lässt sich nicht absichern durch eine Theorie. Inspiration wird erfahren, wo das Wort trifft.“ Damit hat das Wort Gottes keine Kraft in sich, sondern erst, wenn es erfahren wird. Auch seine Formulierung vom „zerbrechlichen Gefäß der biblischen Buchstaben“ erwecken kein Vertrauen in das Wort Gottes, das Bibellesern als „Hammer, der Felsen zerschmettert“ (Jer 23,29) und als „Schwert des Geistes“ (Eph 6,17) bekannt ist.

Zu kurz und eher verwirrend ist sein Urteil zum Textus Receptus als einer „anderen“ Bibel: „Martin Luther zum Beispiel lebte in einer Zeit, in der nur wenige hochwertige griechische und hebräische Handschriften bekannt waren. Die wichtigsten wurden erst im 19. und 20. Jahrhundert gefunden. Das bedeutet: Luthers Reformation geschah auf der Grundlage einer (wenigstens in Teilen) ‚anderen’ Bibel als der von Gott verbal inspirierten Schrift!“

Diese Haltung scheint auch beim Vergleich von sechs Bibelübersetzungen durch. Neben fünf modernen bis flapsigen Übertragungen wird nur Luther 84 als klassische Übersetzung aufgeführt.

Elberfelder 2003 und 2006 sowie Schlachter 2000 sind unter konservativ Evangelikalen zwar am meisten verbreitet, bleiben aber alle drei unerwähnt. Stattdessen wird die „Volxbibel“ gleich auf drei Seiten empfohlen für „‚fromme’ Jugendliche, die etwas von der Aktualität der Bibel spüren möchten“. Der Bibelvergleich ist überschrieben mit „Welche Bibel passt zu mir?“ und suggeriert, dass sich Gottes Wort einfach jedem Stil und Jargon anpassen lässt, bis hin zu einer manchmal obszönen und auch entstellenden Gossensprache à la Volxbibel. Durch viele moderne Bibelübertragungen verkommt die Bibel streckenweise zum Unterhaltungsbuch, leicht zu lesen, leicht zu verdauen. Aber das Wort Gottes hat Qualität und Niveau, erhebt Ansprüche, fordert heraus und stellt den Menschen in Frage. Hier ist Arbeit an sich selbst bis hin zur Selbstverleugnung gefragt und nicht bloße Unterhaltung.

Geistlicher oder seelischer Zugang zur Bibel?

Was man bei dieser Zeitschrift am meisten vermisst, ist eigentlich unabdingbar: Klare und direkte Aufforderungen, Bibeltexte zu studieren, also echte Hausaufgaben, direkt zum Wort Gottes zu gehen. Doch Hausaufgaben hätten womöglich wieder einen verpflichtenden Charakter, der ja bereits mit „einem unangenehmen Geruch aus Pflicht“ und einem „grauen Dunst der Pflicht“ beschrieben wurde. Von daher will man lieber „lustvolle Forscher und Entdecker“ machen. „Gute Christen“, heißt es, „scheinen fleißig drin zu lesen, aber man selbst hat das nie so recht und dauerhaft geschafft“. Doch hier ergibt sich die Frage, ob die geistliche Dimension einfach machbar ist? Paulus betont, dass Gottes Wort geistlich erkannt und verstanden werden muss (1Kor 2,14). Es bedarf einer geistlichen Sehnsucht aufgrund der persönlichen Beziehung zu Gott. Es besteht die Gefahr, dass man nur seelisch angesprochen wird. Paulus bemängelte, dass er zu den Korinthern nicht reden konnte „als zu geistlichen, sondern als zu fleischlichen [Menschen], als zu Unmündigen in Christus“ (1Kor 3,1).

Ehrliche Selbstbloßstellungen

Überraschend ist die offene Selbstdarstellung des Verlagsleiters in der Erstausgabe: „Jenseits vom Beruf lese ich wenig in der Bibel und erwarte nicht viel von ihr, sondern möchte meinen Glauben leben.“? Worauf gründet sich dieser Glauben, wenn nicht auf das Wort (Röm 10,17)? Ein ähnliches „Bekenntnis“ äußert auch Chefredakteur Martin Gundlach: „Als Teenager bin ich dann vom regelmäßigen Bibellesen abgekommen. Und hab bis heute nicht so richtig dorthin zurückgefunden – außer in Ausnahmesituationen. Wenn ich zum Beispiel eine richtig brennende Frage hab, dann lese ich die Bibel und suche da nach Antworten. Aber nicht in der täglichen Routine.“ Gundlach liest auch lieber Sekundärliteratur als direkt die Bibel: „Mich trifft es viel stärker, wenn mir ein anderer den Bibeltext überzeugend nahe bringt.“ Christel Eggers fragt in dem abgedruckten Redaktionsgespräch: „Aber ist der Geist Gottes nicht frei, für andere eher durch ein Buch zu sprechen und bei mir durch die Bibel?“ Darauf Gundlach: „Ortbergs Bilder und Geschichten berühren mich oft mehr, als Geschichten aus dem Alten Testament.“ Ulrich Eggers meint: „Aber es ist ja auch eine legitime Frage, ob überhaupt jeder die Bibel lieben muss. … Muss jeder Bibel wichtig finden und gut kennen?“ Darauf Redakteur Thomas Härry: „Nein, nicht die Bibel, sondern Jesus Christus und Gott.“ Gundlach erwähnt noch: „Aber es war nicht die Bibel, die mich gerettet hat, sondern es war Jesus selber, der zu meinem Herzen sprach. Ich weiß nicht, ob der Zugang ‚durch die Bibel zu Gott’ nicht manchmal überhöht wird.“

Es ist ehrlich, aber es stimmt nachdenklich, milde formuliert, wenn diese Leiter so ihre Haltung zum Wort Gottes offenbaren. Das sind wohl kaum nachahmenswerte Vorbilder. Aber genau diese wollen jetzt die „Bibelmüden erwecken“, „neuen Appetit auf die Bibel machen“ und „Hunger wecken nach mehr“.

Vom Erleben, das Gottes Wort lügt und trotzigen Geschehen, Gott sein Versagen zu verzeihen

Mit der Reihe „Fragezeichen“ wollen die Herausgeber ehrliche Erlebnissberichte zulassen: „Haben Sie auch ein Bibelwort als schwere Last erlebt? Kämpfen Sie mit einer Aussage der Bibel?“ Bei diesen Negativerlebnissberichten wird leider Mißtrauen gesät. Den Anfang macht Christel Eggers mit Mt 21,22: „Wie ein Schlag ins Gesicht! Am Boden liegen – und auch noch getreten werden, so empfinde ich die Situation, in der mir dieser Bibelvers unter die Augen kommt.“ Nach einem plötzlichen Kindstod erlebt sie ihre „Bibel-Eiszeit“: „Ich rühre lange Zeit keine Bibel mehr an. Für mich stimmt da etwas nicht. Für mich stimmt sie nicht. Sie lügt. Gottes Wort lügt mich an, schlägt mir ins Gesicht.“ Doch sie überwindet die Krise, bloß wie? „Nicht durch Gebet, nicht durch Bibellesen. Es war eine Autorenlesung in einem Gemeindehaus. … Angefangen hat es damit, wieder den Mut zu fassen zu der Frage: ‚Ist Gott ein guter Gott? Für mich?’, über eine neue Entscheidung, wieder eine Beziehung zu ihm zu wollen – über das trotzige Geschehen, ihm sein Versagen zu verzeihen …“

Die Probleme und Fragen mit der erwähnten Bibelstelle ist Christel Eggers nicht losgeworden. Wenn durch solch eher negative Zeugnisse das Vertrauen in die Bibel nicht bestärkt, sondern eher Zweifel gesät werden, besteht da nicht die Gefahr fragwürdiger Früchte?

Korrekturen, aber kein Kurswechsel im zweiten Heft

Im ersten Heft wird in einem Bibelquiz unterstellt, dass die Bibel Irrtümer enthalte. Auf die Frage nach einem unreinen Tier heißt es in der Antwort im Bezug auf 3Mo 11,6: „Der Hase ein Wiederkäuer? Hier irrt die Bibel doch tatsächlich …“ Dabei ist seit 1882 diese von den Rindern zu unterscheidende Art des Wiederkäuens bei Hasen biologisch nachgewiesen. Im zweiten Heft wird dieser Fehler „bedauert“: „Im Irrtum war hier allerdings nicht die Bibel, sondern die Redaktion.“ Ob die Bibel nicht an anderen Stellen Irrtümer enthalte, bleibt mit der Formulierung „hier allerdings nicht“ weiterhin offen.

Auch die zweite Ausgabe hat eine beachtlich hohe Auflage von 300.000. Redaktionsleiter, Dr. Ulrich Wendel, erklärt im Vorwort, er habe „irgendwann mal angefangen, es für gültig zu akzeptieren, dass Paulus sagt …“ Diese Formulierung ist exemplarisch für die gesamte Linie dieser Zeitschrift: Die Bibel ist interessant, die Bibel ist lesenswert, aber: Sie hat keine Autorität. Ich entscheide selbst, was mir passt, was mir angenehm erscheint oder eben, was ich für gültig zu akzeptieren bereit bin.

Erschreckend wirkt das Urteil des Schriftauslegers Adolf Pohl über die, die auch heute noch das Schweigegebot in 1Kor 14,34 festhalten. So solle man nicht „heutige Frauen verurteilen, dem Gottesdienst als stumme Mumien beizuwohnen. … Es wäre ein Verstoß gegen die Praxis Jesu und das Wirken des Heiligen Geistes. Im Grunde wäre es Werbung für den Islam.“

Die Notwendigkeit biblischer Orientierungshilfe relativiert Jesus-Freak-Pastor „Storch“ mit folgender Brillen-Theorie: „Hat man eine Brille mit roten Gläsern auf der Nase, erscheint einem die Bibel rot, hat man eine grüne auf, erscheint sie grün. Viele theologische Konflikte rühren daher, dass wir beim Bibellesen unsere theologischen Brillen aufhaben.“ Kann ein Bibelleser die Wahrheit und Gültigkeit biblischer Aussagen wirklich erkennen und vertreten, auch wenn er sie neu erkennt? Nein, nicht wirklich. Laut Stroch irrt er, denn: „Er hat eine neue Brille kennen gelernt und vielleicht ein weiteres Stück göttlicher Wahrheit erkannt, aber auch seine jetzige Erkenntnis ist Stückwerk und ergänzungsfähig.“

Ulrich Eggers fragt im zweiten Heft im Redaktionsgespräch erneut: „Wo sind die begeisterten Bibelliebhaber, die platzen vor Bibellust und anderen Appetit machen?“ Schritte im Glaubensgehorsam lehnte er ja als „Pflicht und Routine“ und als „unangenehm“ bereits ab. Stattdessen möchte er Wege finden, „wie wir gemeinsam die Bibel interessanter machen und erleben können.“ Hier sind erneut die Bedürfnisse des Menschen im Blick, wenn die Bibel wie ein Konsumartikel erst interessant und erlebbar gemacht werden soll.

„Was empfehlen wir denn der Gemeinde und dem Einzelnen? Was muss passieren, damit mehr Appetit da ist und Hunger einzieht?“ Zu dieser weiteren Frage von Ulrich Eggers nachfolgend der Versuch einer Antwort:

Was „Bibelmüde“ wirklich brauchen

Statt einer geistlich widersprüchlichen und theologisch fragwürdigen Zeitschrift bedarf es anderer Alternativen, ein Bibelleser zu werden. Dies sollten aber primär keine anderen Zeitschriften oder Bücher sein, die zur Bibel hinzugezogen werden, sondern – wie könnte es anders sein – die Bibel selbst. Christsein ohne Bibel ist undenkbar. Der Christ hat keine Wahl, seinen Glauben mit oder ohne Bibel zu leben. Echte Christen, die bekennen, bibelmüde zu sein, sind schlicht und ergreifend lau geworden. Die Lauen werden in der Bibel vielfach ermahnt, wieder auf den Weg zurückzukehren. Dabei ist Weisheit und Liebe, aber eben auch Klarheit und Bestimmtheit in der Sache von Nöten. So muss nun Lauheit auch als Schuld bekannt werden können. Aber eine peppig aufgemachte Zeitschrift, deren Wert nicht unerheblich in der Unterhaltung liegt, es sogar mit Bibelwitzen dem Bibelmüden so bequem wie möglich zu machen, wird kaum zurück zu einer gesunden geistlichen Haltung bewegen. Hier liegt zum einen ein anderes Verständnis vom Wort Gottes und zum anderen vom Glaubensleben vor. „Faszination Bibel“ wirkt nicht wie ein Studien- und Lehrheft, das zum Bibellesen anleitet, sondern eher wie ein Unterhaltungsmagazin. Es enthält zwar auch informative Artikel, die zum Verstehen des Umfelds biblischer Ereignisse helfen können, der Grundtenor überwiegt jedoch in der Unterhaltung. Die Bibel ist jedoch kein Konsumartikel, sondern ein Arbeitsbuch. Warum? Das Bild vom Glauben, das das Neue Testament vermittelt, hat auch zu tun mit Kosten, die zu überschlagen sind, mit einem Kampf, der zu bestehen ist, mit einem Wettlauf, der zu bewältigen ist und einem Siegeskranz, der zu erringen ist. Wer im Glauben hauptsächlich eigene Vorteile und Unterhaltung sucht, die es zu konsumieren gilt und ein Buffet, an dem man sich nach eigenen Vorlieben bedienen darf, hat weniger ein biblisches, sondern eher ein dem Zeitgeist angepasstes Glaubensverständnis. Bereits am Bibelverständnis scheiden sich oft schon die Geister. Das Grundvertrauen des anderen in Gottes Wort ist Voraussetzung, diesen persönlich zum Bibellesen zu motivieren. Diese Ermutigung sollte in einer geistlich intakten Gemeinde selbstverständlich sein (Kol 2,2; 1Thess 2,11). Ermutigung bedeutet, auf Probleme des anderen fürsorglich einzugehen, ihn im Glauben zu bestärken, Vertrauen zu säen und ein positives Zeugnis zu geben. Überdies sollten Glaubenszweifel nicht gepflegt, sondern als Anfechtung gesehen und überwunden werden. Durch die Reihe „Fragezeichen“ scheint in „Faszination Bibel“ eher, so ist zu befürchten, das Gegenteil zu geschehen. Paulus erwähnt auch, dass wir uns „belehren und ermahnen“ sollen, zwei Vokabeln, die im toleranten Zeitalter bei den Neoevangelikalen genauso wie „Gehorsam“ und „Buße“ aber nicht mehr hoch im Kurs stehen und auch in „Faszination Bibel“ vergeblich gesucht werden. Neoevangelikale Trends und charismatische Wellen mögen eine Zeit lang „in“ sein, sie kommen und gehen aber wieder, doch das Wort Gottes bleibt immer gültig und ändert sich nicht (Mt 24,35). Daran kompromisslos festzuhalten und das Gebot des Apostels Paulus zu beherzigen, ist der einfache und direkte Weg zu einem erfüllten Glaubensleben:

„Laßt das Wort des Christus reichlich in euch wohnen in aller Weisheit; lehrt und ermahnt einander …“ (Kol 3,16a).

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Thorsten Brenscheidt
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D-44797 Bochum
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„Faszination Bibel“, eine neue Zeitschrift als „Schlüssel“, die Bibel-Müden zu erwecken

Von Thorsten Brenscheidt, Bochum

Die Auswirkungen der Zeitschrift „Aufatmen“

„Jaja, die Bibel ist wichtig, aber …“ – Die Aussage klingt genervt. Bibellesen ist „eigentlich wichtig“, aber „umgeben von einem unangenehmen Geruch aus Pflicht und Routine“. So wirbt ein Verlag für seine neue Zeitschrift „Faszination Bibel“ und lädt ein zur „Selbsthilfegruppe der Bibel-Unlustigen“. Weiterlesen „„Faszination Bibel“, eine neue Zeitschrift als „Schlüssel“, die Bibel-Müden zu erwecken“