Freier Wille? Ich will ihn nicht!

Diskussionen über die Frage ob der Mensch einen „freien Willen“ besitzt werden immer wieder und überall, hinweg über Konfessionsgrenzen, Philosophien und auch medizinische Erkenntnisse geführt. Mit Martin Luther bin ich mir persönlich über eines völlig sicher: Ich will ihn nicht!

Ich bekenne fürwahr in Bezug auf mich: Wenn es irgendwie geschehen konnte, möchte ich nicht, daß mir ein freier Wille gegeben werde, oder daß etwas in meiner Hand gelassen würde, womit ich nach dem Heil streben könnte. Nicht allein deswegen, weil ich in so vielen Widerwärtigkeiten und Gefahren, weiter bei so vielen widerstreitenden Teufeln nicht Stand zu halten und es zu bewahren vermöchte, daein Teufel mächtiger ist als alle Menschen und (um ihretwillen) kein Mensch gerettet würde- Sondern auch weil ich, auch wenn keine Gefahren, keine Widerwärtigkeiten, keine Teufel existierten, dennoch gezwungen wäre, fortwährend im Ungewissen zu arbeiten und Lufthiebe zu machen. Denn mein Gewissen würde, wenn ich auch ewig lebte und wirkte, niemals gewiß und sicher, wieviel es tun müßte, damit es Gott genug tue. Denn welches Werk auch immer vollbracht wäre, immer bliebe der beunruhigende Zweifel zurück, ob es Gott gefalle oder ob er irgend etwas darüber hinaus fordere, wie es auch die Erfahrung aller Werkheiligen beweist und wie ich es zu meinem großen Leidwesen so viele Jahre hindurch zur Genüge gelernt habe.

Aber jetzt, da Gott mein Heil aus meinem Willen herausgenommen und in seinen Willen aufgenommen hat, und nicht durch mein Werk oder Laufen, sondern durch seine Gnade und Barmherzigkeit mich zu erhalten verheißen hat, bin ich sicher und gewiß, daß er getreu ist und mir nicht lügen wird, auch mächtig und stark ist, daß keine Teufel, keine Widrigkeiten ihn werden überwältigen oder mich ihm werden entreißen können, ,,Niemand“, spricht er, ,,wird sie aus meiner Hand reißen; denn der Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer denn alles“ (Joh. 10, 28. 29), So geschieht es, daß, wenn nicht alle, so doch etliche und viele gerettet werden, während durch die Kraft des freien Willens überhaupt keiner gerettet würde, sondern wir würden alle zusammen verloren gehen. So sind wir auch gewiß und sicher, daß wir Gott gefallen, nicht durch das Verdienst unseres Werkes, sondern durch die Huld seiner uns verheißenen Barmherzigkeit; und daß er es uns nicht anrechnet, wenn wir weniger oder Böses tun, sondern uns väterlich verzeiht und bessert- Das ist der Ruhm aller Heiligen in ihrem Gott. (Dr. Martin Luther, De servo arbitrio)

Auf dem Blog Hanniel bloggt (unbedingt reinschauen) habe ich gerade noch den Hinweis auf Römer 8:7-8 in der Neuen Genfer Übersetzung gelesen:

Denn der menschliche Eigenwille steht dem Willen Gottes feindlich gegenüber; er unterstellt sich dem Gesetz Gottes nicht und ist dazu auch gar nicht fähig. Darum kann Gott an dem, der sich von seiner eigenen Natur beherrschen lässt, keine Freude haben.

sdg

Andreas

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"…nur keine Träume…"

„… ich habe mit Gott, meinem Herrn, einen Bund gemacht, dass er mir nur keine Gesichte und Träume und auch darzu keinen Engel senden solle. Denn ich bin mit dieser Gabe wohl zufrieden und lasse mich gern daran genügen, dass ich die Heilige Schrift habe, die mich reichlich lehret und berichtet alles, so beide, zu diesem und zum künftigen Leben, zu wissen vonnöten ist. Dieser Heiligen Schrift glaube ich und bin damit zufrieden. Dr. Martin Luther

Gebet – was ist das?

In der Kölnischen Rundschau war vor kurzer Zeit zu lesen: „Beten Sie eigentlich noch? „Die Frage ist extrem persönlich“, antwortet einer, der ungenannt bleiben möchte. „Beten ist intimer als Sex“, schiebt er nach kurzer Überlegung nach. Im Rahmen einer willkürlichen Umfrage eine typische Antwort. Es gibt nicht mehr viele Bekenntnisse, die irgendwie peinlich sind. „Ich bete“ gehört dazu. Beten ist ein sorgfältig gehütetes Geheimnis der Privatsphäre.“ Weiterlesen „Gebet – was ist das?“

Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe

Bereits in den ersten Jahren der Reformation begann eine interne Auseinandersetzung über das Taufverständnis. Die Tauffrage scheint demnach keine Nebensächlichkeit zu sein. Denn wenn Paulus den Ephesern von der Berufung zu „einem“ Herrn, „einem“ Glaube und „einer“ Taufe schreibt (Eph4,4u.5), scheint das rechte Verständnis diesbezüglich sogar von grundlegender Bedeutung zu sein. Schaut man jedoch heute in die Gemeinden und Kirchen, meint man nicht eine Taufe, sondern eine Vielzahl von Taufen zu erblicken. Neben offensichtlich unbiblischen Lehren wie der rönisch-katholischen Taufwiedergeburt, existieren auch im Protestantismus unterschiedliche Lehren. Entweder die Glaubenstaufe, oder die Kindertaufe und manchmal beides nebeneinander. Weiterlesen „Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe“

Wie wirkt der Geist Gottes?

spirit_insideAuch wenn man die pfingstlich-charismatischen Sonderlehren und -praktiken beiseite lässt, existieren innerhalb der evangelikalen Welt, in weiten Teilen sehr unterschiedliche Ansichten über das Wirken des Heiligen Geistes. Zumeist jedoch wird darunter eine subjektiv-erfahrbare, im Wesen des Gläubigen vorhandene Präsenz des Heiligen Geistes verstanden. Dies war weder immer so, noch gehört dieses Gedankengut zur ursprünglich reformatorischen Lehre.
Wie aber sind verschiedene Textstellen zu verstehen, die u.a. davon sprechen, das der Geist Gottes „Wohnung“ in dem Gläubigen nimmt? Kernaussage reformatorischer Lehre dazu ist die untrennbare Verbindung zwischen Geist und Wort Gottes. Luther formulierte es auf seine anschauliche Weise so: Weiterlesen „Wie wirkt der Geist Gottes?“

Kopfermann wähnt Luther "widerlegt"…

Wolfram Kopfermann hat ein neues Buch geschrieben: „Heiligung – Teilhabe an der neuen Schöpfung: Biblische Grundlegung und geistliche Einübung“ . Ausgangspunkt dafür dieses zu kaufen war, in einer Forumsdiskussion über die paulinische Sprachfigur des „in Christus-Sein“ begründet mitreden zu können. Er möchte aus „Martin Luthers langem Schatten“ treten und eine neue Spiritualität begründen. Desweiteren möchte ich auf das Buch von Bernhard Kaiser: „Christus allein“ hier verweisen, welches diese Frage aus – biblisch-reformatorischer Sichtweise behandelt.

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