Sind Sie ein Evangelikaler?

Die Frage wer oder was ein „Evangelikaler“ ist, kann und wird immer wieder unter den verschiedensten Blickwinkeln diskutiert. Dabei steht zum einen das „Damoklesschwert“ der Fundalismus-Debatte, andererseits nicht selten das eigene Selbstverständnis, die persönliche Biographie zur Diskussion. Neben spezifisch evangelikalen Gemeinden gibt es viele Mitglieder von Landeskirchen die in ihren jeweiligen Kirchen eingebunden sind, die sich aber genauso der “allgemeinen evangelikalen Bewegung” zugehörig fühlen.

Lehrmäßig sind

  • die Betonung der Inspiration der Heiligen Schrift
  • persönliche Glaubenserfahrungen
  • vor allem aber das Konzept der Bekehrung bzw. Wiedergeburt kennzeichnend.

In einem Zitat von Francis Beckwith, Präsident der Evangelical Theological Society, wird die enorme Bandbreite des Begriffes „evangelikal“ deutlich:

Put in terms of specific traditions, if the term ‘Evangelical’ is broad enough to include high-church Anglicans, low-church anti-creedal Baptists, Presbyterians, Methodists, the Evangelical Free Church, Arminians, Calvinists, Disciples of Christ, Pentecostals, Seventh-Day Adventist, open theists, atemporal theists, social Trinitarians, substantial Trinitarians, nominalists, realists, eternal security supporters and opponents, temporal theists, dispensationalists, theonnmists, church-state separationists, church-state accomodationists, cessationists, non-cessationists, kenotic theorists, covenant theologians, paedo-Baptists, Anabaptists, and Dooyeweerdians, then there should be room for an Evangelical Catholic. Return to Rome, S.128 (Quelle:TheoBlog)

Der kleinste gemeinsame Nenner bzw. äußerst interpretationsfähige Formulierungen… sind Grundlage der meisten evangelikalen Bewegungen, Freikirchen oder Personen. Verbindliche Festlegungen dessen, was man ohne Zweifel glaubt oder verwirft, gibt es nur in Ausnahmefällen. Ein solcher Minimalkonsens ist jedoch inakzeptabel. Er bedeutet alles und nichts. Formal beruft man sich zwar beispielsweise auf die Reformation, die fünf Soli, auf die altkirchlichen Bekenntnisse, oder die Gottheit Christi, aber die jeweilige Interpretation fällt so unterschiedlich aus, das neuerdings sogar die mormonische Christologie akzeptabel erscheint (nachzulesen bei DistomosBlog).

David Wells, Professor für historische und systematische Theologie am Gordon-Conwell Theological Seminary, teilt den Evangelikalismus und seine Entwicklung in drei Hauptströme ein:

  1. den „klassischen Evangelikalismus“
  2. die „Vermarkter“
  3. die „Emergenten“

Vergleicht man die Glaubensüberzeugungen dieser drei Strömungen, läßt sich eine fortgesetzte Bezugnahme auf die Reformatoren, insbesondere bei den letzten beiden Strömungen nicht durchhalten. Die jeweiligen Schrift- bzw. Kirchenverständnisse weichen in erheblichem Maße voneinander ab. Wells stellt in seinem Buch „The Courage to be Protestant“ deshalb provokant die Frage: Sind sie ein Evangelikaler?

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Wells kommt zu dem Schluss, dass der Evangelikalismus keiner guten Zukunft entgegen geht, wenn er nicht zu den Grundlagen der Reformation zurückkehrt und an den solas (alleine) der Reformation festhält: „Alleine in der Schrift ist Gottes autoritative Wahrheit zu finden, in Christus alleine ist das Heil, und es ist alleine aufgrund der Gnade, dass wir errettet werden; und diese Errettung empfangen wir durch den Glauben allein.“ (Quelle:DistomosBlog)

Da ich selber einen evangelikalen Hintergrund habe, bis heute in eine evangelikale Gemeinde gehe, bedauere ich diese Entwicklung. Auch sehe ich die geistlich-theologischen Wurzeln des Evangelikalismus zum größten Teil eher in der Radikalreformation. Von dieser ausgehend, über den Pietismus und nicht in der Reformation. Luther oder Calvin würden bereits das „Sola Scritura“ Verständnis weiter Teile des Evangelikalismus definitiv als nichtreformatorisch beurteilen.

Die Glaubensbasis der EAD oder anderer formulierter evangelikaler Glaubensgrundlagen sind zumeist defizitär bzw. sehr interpretationsfähig. Ganz im Gegenteil zu den reformatorischen Bekenntnissen, die an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Sowohl hinsichtlich dessen was zu glauben, als auch abzulehnen ist.

Unbestritten gibt es vor allem in den Landeskirchen diverse klassische Evangelikale, allerdings stehen diese mit den für sie verbindlichen Bekenntnissen im Widerspruch. Ein bekenntnisorientierter reformierter Christ kann m.E. daher kein Evangelikaler sein.

sdg
apologet

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Christus selbst bezeugt jedoch, dass ausschließlich der sich „Abrahams Kind“ nennen darf, der dessen Werke tut, niemand sonst.

Sie antworteten und sprachen zu ihm: Abraham ist unser Vater! Jesus spricht zu ihnen: Wenn ihr Abrahams Kinder wärt, so würdet ihr Abrahams Werke tun. Joh 8,39

Denn es existiert allein ein wahrer Same/Erbe Arbahams und in diesem eingeschlossen alle die an ihn glauben:

Nun aber sind die Verheißungen dem Abraham und seinem Samen zugesprochen worden. Es heißt nicht: »und den Samen«, als von vielen, sondern als von einem: »und deinem Samen«, und dieser ist Christus. […] Wenn ihr aber Christus angehört, so seid ihr Abrahams Same und nach der Verheißung Erben. Gal 3,16; 29

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