Wie verlasse ich eine Gemeinde?

 

In einer neuen Gemeinde neu zu beginnen ist oftmals nicht leicht, der schwierigere Schritt jedoch ist oft der, seine alte Gemeinde zu verlassen.

In einem Artikel von Kevin DeYoung (hier), habe ich dazu- wie ich finde- sehr hilfreiche und nachdenklich stimmende Gedanken gefunden und sinngemäß übersetzt.

Es geht also nicht darum zu klären ob, sondern wie (also die Art und Weise) man eine Gemeinde verlassen sollte.

1.Sei gnädig
Eine Gemeinde freiwillig zu verlassen (nicht wegen eines Umzugs o.ä.) ist meist mit schmerzhaften Erfahrungen, Enttäuschungen und Verletzungen verbunden. Die größte Anfechtung dieser Situationen ist Bitterkeit. Man möchte sich wehren. Aber auch wenn sich das gut anfühlt, ist es zweifellos falsch. Besser sanftmütig als Irrender da zu stehen und Gott die Vergeltung überlassen. Dies führt dazu auch eigenes Versagen und eigene Irrtümer einzugestehen von denen wohl auch einige vorhanden sein werden.

2. Geh nicht schweigsam
Erzähl dem Pastor, der Ältestenschaft das du gehst. Dies könnte entscheident sein. Möglicherweise wird es auch so bemerkt, eine gute Ältestenschaft wird dies, aber wenn die Entscheidung bereits gefallen ist, ist keine Zeit dafür eingeschnappt zu sein. So besteht die Möglichkeit das man füreinander betet oder bestehende Missverständnisse ausräumt. Und wer weiss, vielleicht lernen sie aus dieser Erfahrung. Also: gehe nicht einfach still und leise!

3. Lass Dich nicht treiben, bleib engagiert
Zieh Dich nicht nach und nach aus allem zurück. Wenn Du bis jetzt mit arbeitest, tue dies bis zum Schluss. Denn Deine Verantwortung trägst Du allein Gott und der Gemeinde gegenüber.

4. Überlege Dir freundliche Abschiedsworte
Denke darüber nach, wie du freundlich und ehrlich die Frage: „Warum gehst du?“ beantworten kannst. Die Leute werden fragen um die Gründe zu erfahren und zu verstehen. Zerstöre nicht das Ansehen einer Person oder einer ganzen Bewegung. Bleib bei den Fakten, aber eine einfache, klare Antwort genügt: „Ich stimme nicht mit der Ausrichtung, den Lehren der Gemeinde überein“, „ich kann die Autorität der Ältestenschaft nicht länger akzeptieren“. Sag die Wahrheit, aber dies in der Weise, wie Du möchtest das die Gemeinde über Dich sprechen soll.

5. Sorge für die Zukunft
Sei vorbereitet für den Zeitpunkt nach dem du die Gemeinde verlassen hast. Es mag etwas Zeit brauchen sich mit der Situation zu arrangieren, jedoch sollte man sich umgehend mit der Zukunft beschäftigen. Existiert eine in Frage kommende Gemeinde in der Nähe? Welche Gemeinden gibt es überhaupt im näheren Umfeld? Sollen die in Frage kommenden Gemeinden ein- oder mehrmals besucht werden? Wichtig ist- für dich und u.U. deine Familie- sich nicht zu viel Zeit zu lassen bei der Suche nach einer Alternative, keine Monate oder gar Jahre verstreichen zu lassen. Die Gefahr auf der Strecke zu bleiben ist viel zu groß!

6. Brich keine Brücken ab
Wer nicht den Wohnort wechselt, wird in der Regel weiterhin Geschwistern aus der alten Gemeinde über den Weg laufen, diesen u.U. sogar auf Hochzeiten, Beerdigungen, in der Schule etc. begegnen. Vielleicht sogar auf Familientreffen! Es ist zwangsläufig ein wenig problematisch, aber tue das Deinige um die Beziehungen intakt zu halten.

7. Bete weiter für die anderen und bitte um deren Gebet
Enge Verbindungen sind nicht leicht zu brechen. In mancher Hinsicht sind sie das auch nicht. Offensichtlich verändern sich Beziehung wenn man eine Gemeinde verlässt, dennoch sollte man das Beste für die anderen, die man hinter sich gelassen ht wollen. Und hoffentlich werden sich diese auch immer noch um dich sorgen. Es schadet nie, mehr Gebet haben.

sdg
apologet

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Welchen Auftrag hat die Gemeinde?

Vor kurzem wurde auf der Kanzel behauptet, die Gemeinde habe einen sozial-evangelistischen Auftrag. Auch andere Verlautbarungen der Gemeindeleitung („gesellschaftsrelevante Vision etc. weiterentwickeln„, ein geplantes Seminar mit Prof. J. Reimer „Gesellschaftsrelevanter Gemeindebau“ und Zusammenarbeit bei ProChrist) zeigt Tendenzen in eine solche Richtung auf. Ist das wirklich Auftrag der Gemeinde? Bis vor wenigen Jahrzehnten lautete die Antwort auf die Frage nach dem Auftrag der Gemeinde in evangelikalen Gemeinden anders:Auftrag der Gemeinde war:

  1. Gott zu ehren
  2. die Welt zu evangelisieren
  3. die Gemeinde zu bauen.

Heute wird diese Frage jedoch immer öfter anders beantwortet. Und dies nicht nur in einer anderen Gewichtung der Priorität, sondern grundsätzlich. Prof. J. Reimer behauptet in einem Essay (Transformation- was ist gemeint?), es sei primäre Aufgabe der Gemeinde Reich Gottes zu bauen. Womit jedoch nicht jene „Reichsgottesarbeit“ vergangener Tage gemeint ist, bei welcher man sich Gott mit seinem Leben zur Verfügung stellte bzw. Gott im Gebet bat „Dein Reich komme„, sondern eine aktive Umgestaltung dieser Welt in sozialer und gesellschaftspolitischer Hinsicht.

Man hat sich- offenbar aufgrund des Status quo dieser Welt (Armut, soziale Ungerechtigkeit etc.)- entschieden, nicht mehr mit der Bitte „Dein Reich komme“ zufrieden zu geben, sondern strebt inzwischen selbstbestimmt eine umfassende Umwandlung der Lebenswelt der Menschen in Gottes Formen und Vorstellungen an. Die Welt soll durch Mission unter die Herrschaft Gottes kommen.

Dazu ist ein neues Missionsverständnis notwendig. Unter Mission wird dann nicht mehr der schlichte und oft schwache Ruf der Gemeinde zur Buße, die inhaltliche Belehrung der Völker mit dem Wort Gottes und Taufe, sondern ein realer Herrschaftswechsel und damit ganzheitliche Veränderung des Lebensraumes in der Gesellschaft verstanden. So jedenfalls Prof. Reimer in einem diesbezüglichen Essay.

Bereits seit einigen Jahren, scheint es erforderlich zu sein, sich als Christ mit einigen neuen Begriffen vertraut zu machen. Begriffe deren Verwendung in der Gemeinde bzw. in einem geistlichen Kontext teils merkwürdig, teils vertraut und dennoch fremd anmuten. „Transformation“ und „Missional“ sind zwei solcher Begriffe, welche man exemplarisch anführen und sich merken sollte.

Beide Begriffe sind thematisch eng mit

  • der Gemeinde
  • der Gesellschaft und
  • der emergenten Bewegung

verbunden und sollen bisher verwandte Begriffe ersetzen. Ginge es nun lediglich um die Verwendung alternativer Begrifflichkeiten, wäre es nicht weiter problematisch, jedoch werden auch die mit den Begriffen verbundenen Inhalte anders als hergebracht verstanden und verwandt.“Emergent“ ist dabei ein zum Verständnis beitragender, entscheidender Begriff.

Ähnlich dem Begriff „charismatisch“, kennzeichnet „emergent“ keine verbindliche Organisation oder Zugehörigkeit zu einer Denomination, sondern beschreibt eher ein gewisses Verständnis, eine Haltung, zu bestimmten Fragen der Gesellschaft, Gemeinde oder der Schrift. Innerhalb dieser Strömung bzw. Bewegung existieren sowohl keine feste personale Struktur, Hierarchie oder Zugehörigkeit, eben sowenig wie lehrmäßige Verbindlichkeit oder Festlegung existiert.

Die geistliche Zugehörigkeit zur emergenten Bewegung ist in der Regel mehr an der Verwendung eines bestimmten Vokabulars, der thematischen Schwerpunkte und der Ausrichtung und persönlichen Verbindungen erkennbar.

Mission und Transformation sind ganz eindeutig „emergente Schwerpunkte“. Prof. J. Reiner, emergenter Stichwortgeber und oft geladene Sprecher auf emergenten Konferenzen, erklärt in einem zweiseitigen Essay kurz was er darunter verstanden wissen will:

„Wer also für den Austausch der guten alten Vorstellung von der Heiligung mit dem Begriff Transformation votiert, mag gute Gründe haben. Denn unter Transformation versteht unser Zeitgenosse eindeutig Umwandlung des Bewusstseins und des individuellen Lebenskonzeptes. […] Und wenn wir Mission als transformierende Wirklichkeit beschreiben, dann geben wir unseren Mitbürgern die Möglichkeit, zu verstehen, was gemeint ist.“

Der Begriff Transformation steht Reimer bzw. dem emergenten Verständnis folgend für den biblischen Begriff Heiligung. Wobei die Transformation das Ziel und Mission das Mittel darstellt. An dieser Stelle muss jedoch gefragt werden, was diesem Verständnis folgend unter „Heiligung“ zu verstehen ist? Prof. J. Reimer schreibt folgendes:

„Versteht man denn heute in der Gesellschaft noch was Heiligung, Mission und Evangelisation bedeutet? Oder werden diese Begriffe schnell auf ein volkstümliches Verständnis reduziert? Wenn individuelle Transformation Heiligung ist und Transformation eine Umwandlung unseres Denkens voraussetzt, wird dann auch unter Heiligung eine Heiligung der Gedanken verstanden? Mag sein. Ich habe jedenfalls selten Predigten über Heiligung gehört, die eine umfassende Umwandlung der Persönlichkeit des Menschen meinten. Doch in der Bibel bedeutet Heiligung genau das – den alten Menschen auszuziehen und den neuen anzuziehen (Kol. 3,3ff ). Leider hat der Begriff in der Geschichte der Christenheit eher den Beigeschmack einer von der Kirche verlangten Konformität erfahren.“

Reimer hat im Bezug auf die Heiligung also nicht allein die Gemeinde oder Gläubige, sondern Nichtgläubige bzw. die Gesellschaft im Blick. Die Schrift unterscheidet jedoch strikt zwischen Welt und der Gemeinde. Heiligung bedingt der Schrift folgend Rechtfertigung, wobei Rechtfertigung eine richterliche Handlung Gottes im Bezug auf die Stellung des Menschen (Freispruch von Strafe/Recht auf Leben) vom Ungläubigen zum Gläubigen und Heiligung ein Wirken Gottes am Gläubigen in Bezug auf Gewohnheiten und Taten ist. Beides Handlungen Gottes, wobei Heiligung ohne grundlegende Rechtfertigung nicht möglich ist.

Diese- man kann es nicht anders nennen- Selbst- und Neubeauftragung der Gemeinde geschieht also auf Grundlage einer Neu- bzw. Uminterpretation des Evangeliums mit der Folge, dass sich Gemeinden vollständig diesem Evangelium anpassen und verändern. Nicht mehr Christus und die zukünftige, himmlische Hoffnung steht im Zentrum dieses neuen Evangeliums, sondern der Mensch und eine irdische Hoffnung. Die Welt soll nicht bloß zur Buße aufgerufen werden, sondern gesellschaftlich verändert, die Gemeinde soll vor allem sozial aktiv und gesellschaftlich relevant sein.

Keine Frage, ein solches Evangelium besitzt Attraktivität. Man wird anders wahrgenommen wenn man nicht bloß lehrt und tauft, sondern sozial und gesellschaftlich aktiv ist. Die Gemeinde wird dann plötzlich als gesellschaftliche Bereicherung, nicht als verstörender Fremdkörper angesehen, wird eingeladen und hoffiert, nicht verlacht oder gar verfolgt, besitzt Relevanz. Gemeinden mit einem solchen Evangelium erkennt man äußerlich nicht sofort. Und der Prozess dorthin ist oft schleichend, das Vokabular so ähnlich, die Menschen nett und aktiv, die Gottesdienste oft interessant und mitreissend.

Für wen jedoch ist eine solche Gemeinde attraktiv oder relevant… Gott oder Menschen? Die Gemeinde: Braut Christi, oder Braut dieser Welt?

Das Reich Gottes ist in dieser Welt aktuell nur im Verborgenen erkennbar, in jedem Gläubigen, in der Gemeinde. Das Reich Gottes ist dort präsent, wo Gott  herrscht, Sein Wille geschieht. In dieser Welt geschieht noch nicht der Wille Gottes. Diese Welt, die gesamte Schöpfung wartet vielmehr sehnsüchtig darauf, das es zukünftig offenbar wird. Die sichtbare Ankunft dieses Reiches steht also aus, kann von Menschen nicht betrieben werden weil das sichtbare Reich Gottes mit der sichtbaren Wiederkunft und Gegenwart des Herren dieses Reiches verbunden ist.

sdg
apologet