David Murray: Bundestheologie für Anfänger

Was ist die Bundestheologie? Wenige Gläubige in Deutschland können etwas mit diesem Begriff bzw. der dahinter stehenden Lehre anfangen. Nur wenige Gemeinden verteten die Bundestheologie. Denn die Bundestheologie ist hierzulande eine vergessene biblische Wahrheit.

Wie kann man diese kurz und dennoch verständlich erklären? Prof. Dr. David Murray (Professor of Old Testament & Pastoral Theology an dem Puritan Theological Seminary in Grand Rapids, Michigan) skizziert diese in leicht verständlicher Weise.

I. Was ist ein Bund

Ein Bund ist eine Beziehung, initiiert und eingeführt durch einen Machthaber zugunsten eines Schwächeren, mit Konsequenzen (Leben oder Tod)

  1. Ein Bund ist eine Beziehung: nicht kalt / kommerziell, nicht legalistisch / juristisch, sondern eine lebendige Beziehung
  2. Initiiert und verhängt von einem überlegenen Machthaber: kein ausgehandelter Vertrag zwischen gleichberechtigten Partnern
  3. Mit weitreichenden Konsequenzen – Leben oder Tod: kein „nimm, oder laß es“, Leben oder Tod hängt von der Reaktion ab

II. Zwei Arten von Bündnissen

  1. Bund der Werke – Lohn: Wenn Du diese Werke tust, erhältst Du diesen Lohn (Gen. 1-2)
  2. Gnadenbund – Dankbarkeit: hier das Geschenk der Gnade, und hier, wie Dankbarkeit gezeigt werden kann (Gen 3.14 bis Offenbarung 22)

III. Sechs Phasen des Gnadenbundes

Anstatt seinen Gnadenbund auf einmal, in einem blendenden und überwältigenden Licht zu enthüllen, offenbarte der Herr diesen allmählich in sechs Phasen oder Schritten.

  1. Bund der besiegten Schlange (Genesis 3,14-15): Verheißung des Sieges (Adam)
  2. Bund des entwaffneten Bogens (Genesis 9): Verheißung des Friedens (Noah)
  3. Bund des zweischneidigen Messers (Genesis 15-17): Verheißung eines Sohnes (Abraham)
  4. Bund des Lammes und Gesetzes (Exodus 19-20): Verheißung der Erlösung, Beziehung, dann Regeln (Mose)
  5. Bund des ewigen Königs (2 Samuel 7): Verheißung wirksamer und ewiger Herrschaft (David)
  6. Der Neue Bund (Jer 31,31-34; Lukas 22:20): Verheißung der Vergebung (kein „neuer Bund“, sondern ein „erneuerter Bund“ um den Gnadenbund deutlicher zu machen, vollständig, breiter, tiefer Anmerkung von mir->Christus)

IV. Sechs Eigenschaften des Gnadenbundes

Alle sechs Phasen oder Offenbarungen des Gnadenbundes haben diese Merkmale gemeinsam (in einem mehr oder weniger starken Umfang).

  1. Sünde: Alle Bündnisse sind durch Gottes Gnade vor dem Hintergrund der menschlichen Sünde initiiert
  2. Opfer: Blutvergießen ist mit den Bündnissen verbunden, betont die Konsequenz von Leben und Tod
  3. Ansprache: Gott gibt Verheißungen, welche den spezifischen Bedürfnisse der jeweiligen Situation gerecht werden
  4. Zeichen: Gott verbindet alle seine verbalen Verheißungen mit sichtbaren Zeichen
  5. Gemeinschaft: Gottes Ziel ist es, sein Leben mit den Sündern teilen – ich will euer Gott sein, und Sie werden mein Volk sein.
  6. Zweck: Alle Bündnisse besitzen nicht-erlösende Segnungen, die zum Glauben auffordern zu einem erlösenden Segen

V. Sechs Fenster in der Kathedrale der Gnade

Stellen Sie sich eine sündenverdunkelte Kathedrale vor in welche Gott geformte Fenster hineinschneidet. Diese Fenster lassen in zunehmenden Maß Licht hinein, wovon alle innerhalb einen Vorteil (keine Erlösung) haben. Aber nur diejenigen, welche im Glauben durch das Fenster sehen, erkennen was die Fenster für die Rettung ihrer Seelen symbolisieren.

  1. Der Blick durch das Schlange-förmige Fenster zeigt einen besiegten Teufel
  2. Der Blick durch das Regenbogen-förmige Fenster zeigt den Frieden schaffenden Gott
  3. Der Blick durch das Messer-förmige Fenster zeigt den Nachkommen Abrahams, welcher die Sünde abschneidet
  4. Der Blick durch das Lamm-u. Schriftrolle-förmige Fenster zeigt das Lamm und das Gesetz Gottes
  5. Der Blick durch das Krone-förmige Fenster zeigt den ewigen König
  6. Der Blick durch das Brot, Wein & Brunnen-förmige Fenster zeigt den Leib und das Blut Christi, welches Vergebung und Reinigung von Sünde schenkt

Schließlich Christus, der wiederkommen wird um die Kathedrale abzureißen und selbst Licht und Leben seines Volkes für immer sein wird.

„Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen; und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott.“… „Und einen Tempel sah ich nicht in ihr; denn der Herr, Gott der Allmächtige, ist ihr Tempel, und das Lamm. […] Und die Stadt bedarf nicht der Sonne noch des Mondes, daß sie in ihr scheinen; denn die Herrlichkeit Gottes erleuchtet sie, und ihre Leuchte ist das Lamm.“ (Off21,1-5; 22-23).

Fazit

  1. Veränderung der Art und Weise man das Alte Testament betrachtet: Nicht eine Offenbarung der Werke dann Lohn, sondern eine Offenbarung der Gnade aus der Dankbarkeit entsteht. Kontrast zwischen AT und NT heißt nicht schwarz / weiß, sondern Mondschein / Sonnenlicht.
  2. Veränderung der Art und Weise wie man die Gläubigen des Alten Testaments beurteilt: Keine primitiven Werkgerechten, sondern Brüder und Schwester aus Gnade durch den Glauben gerettet im Blick auf den kommenden Christus, wie verheißen und abgebildet in den Bündnissen.
  3. Veränderung der Art und Weise man das Gesetz begreift: Nicht als Weg der Erlösung, sondern Gottes eingesetzten Weg um unsere Dankbarkeit für die Gnade der Erlösung auszudrücken (Joh14:15)
  4. Veränderung der Art und Weise wie die Heilsmittel verstanden werden: Abendmahl und Taufe retten niemanden. Der Glaube an das was sie symbolisieren (einen gekreuzigten Christus und Reinigung) ist, was rettet.

Mit freundlicher Genehmigung
von Prof. David Murray
(Professor of Old Testament &
Pastoral Theology) aus
dem Englischen
Quelle: Headhearthand.posterous.com

weiterführender Aufsatz:

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Die eBooks der Glaubensstimme

Die „Glaubensstimme“ ist ein umfangreiches Online-Archiv mit sehr vielen reformierten Texten, die teilweise sonst kaum noch zu finden sind. Darunter finden sich auch die Briefe von Johannes Calvin in deutscher Übersetzung. Seit einiger Zeit sind dort auch eBooks erhältlich. Hier eine Liste der bisher verfügbaren eBooks:

  • Arnd, Johann – Der Deutsche Theologe
  • Baxter, Richard – Zuruf an Unbekehrte
  • Bengel, Johann Albrecht – Die sieben Sendschreiben der Offenbarung Johannes
  • Binde, Fritz – Eine Auswahl seiner Schriften
  • Das Vaterunser in der Reformationszeit
  • Dieterich, Veit – Das Hohe Lied Salomonis
  • Draconites, Johannes – Predigtsammlung
  • Eusebius – Kirchengeschichte
  • Franz, Johann Friedrich – Die schwärmerischen Gräuelscenen der St. Galler Wiedertäufer, zu Anfang der Reformation
  • Gerhardt, Paul – Sämtliche Lieder
  • Katechismen – Die evangelischen Katechismen der Reformationszeit.
  • Krummacher, Gottfried Daniel – Rechtfertigung und Heiligung
  • Martin Luther und der Bauernkrieg
  • Psalmen in der Reformationszeit
  • Schlatter, Adolf – Hilfe in Bibelnot
  • Spurgeon, Charles Haddon – Das Evangelium des Reiches
  • Spurgeon, Charles Haddon – Sieben Worte Christi am Kreuz
  • Neu hinzugekommen: die Andachtsbibel

Zu den eBooks: hier

Timotheus – Das Kreuz (2)

Ab heute kann die neue Ausgabe DAS KREUZ vorbestellt werden.

Inhalt:

Editorial (Hans-Werner Deppe)
Sich des Kreuzes rühmen (Waldemar Dirksen)
Unser oberster Priester (Sebastian Heck)
Mit Christus gekreuzigt (Hans-Jürgen Holzmann)
Paul Schneider – Von einem der das Kreuz auf sich nahm (Peter Voth)
Die Entschlüsse von Jonathan Edwards (Jonathan Edwards & Michael Wiche)
App-Test (Peter Voth)

Das Sch'ma Israel – ein Bekenntnis zur Einheit Gottes in Pluralität?

Wir Christen glauben an bzw. bekennen einen Gott. Dennoch wird uns Christen von einigen (Unitarier, Arianer, Muslimen und Juden), aufgrund der von uns bekannten Trinität, Polytheismus vorgeworfen. Nicht selten- insbesondere von jüdischer Seite- wird behauptet, dass sich die Trinität im AT nicht finden läßt.

Ich meine, dass sich ausgerechnet in dem jüdischen Bekenntnis, dem Sch’ma Israel, die Pluralität Gottes nachweisen läßt. Mehr als irgendeine andere Bibelstelle betont dieser Vers augenscheinlich die Einheit Gottes. Sieht man jedoch genauer hin, stellt man fest, dass dort keine absolute Einzahl, sondern eine zusammengesetzte Einheit vorzufinden ist.

Deu6:4 „Höre Israel: Jahwe ist unser Gott, der Herr ist einer!

Der Herr ist „einer“
Im Hebräischen existieren mehrere Begrifflichkeiten für „ein, eine, einer“ bzw. abgeleitete Befriffe aus ein und dem selben Wortstamm (lchud=einsam; jachad=zusammen vereint; jechidi =allein). Für den Begriff „einer“ wird in Deu6:4 das hebräische Wort „echad“. benutzt. Ausgerechnet „echad“ räumt jedoch die Möglichkeit einer zusammengesetzten Einheit ein (z.B.Tag und Nacht= ein Tag; Mann und Frau= ein Fleisch etc.).

„Jachid“, eine weitere an dieser Stelle nicht benutzte Möglichkeit betont dagegen eine ungeteilte, absolute Einheit. Festzuhalten ist somit, dass in Deu6:4 keineswegs eine absolute Einheit betont, sondern die Möglichkeit einer zusammengesetzten Einheit impliziert bzw. angedeutet ist.

Betrachten wir den Text weiter:

„Jahwe ist unser Gott“
Das Wort für Gott, „Elohim“ steht im Plural. Es heißt also wörtlich: „Jahwe, unsere Götter“. Viele Texte im AT beschreiben weiterhin eine Interaktion, in welcher ein Jahwe mit einem zweiten Jahwe kooperiert. Wir finden zudem im Buch Jesaja (48:12-16; 63:7-14) Texte, in welchen zusätzlich noch der Geist Gottes von den beiden anderen Personen unterschieden wird.

Fazit: Kein ernstzunehmender Exeget würde allein aufgrund dieser Beobachtung behaupten, dass dies als  Argumentation ausreichte die Trinität im AT zu beweisen bzw. diese dort voll ausgebildet vorzufinden wäre. Fakt ist jedoch, dass die Selbstoffenbarung Gottes im AT das Potential der neutestamentlichen Trinität bereits verborgen und angedeutet in sich birgt.

sdg
apologet

weiterführende Artikel

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: Das Ringen um die Lehre der Dreieinigkeit in der Alten Kirche (Teil 1) von Raphael Schuster

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