Christliche Werke – Ergänzung oder Konkurrenz?

slider_kirche_organisationIn den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung hat sich eine solche Frage grundsätzlich nicht gestellt. Es gab schlicht keine anderen, von der Gemeinde unabhängigen christlichen Organisationen. Die Idee zur Gründung solcher Werke ist letztlich sogar ausgesprochen jung, entstammt dem 19. Jahrhundert.

Was ist nun unter einer sogenannten „christlichen Organisation“ zu verstehen? In erster Linie meine ich damit unabhängige, überkonfessionelle Organisationen, beziehe in meine Fragestellung jedoch auch allgemein jedes unabhängige, konfessionell ungebundene Werk mit ein (siehe hier). Nicht gemeint sind unmittelbar zu einer Gemeinde, oder einem Verbund gehörende Werke oder Organisationen, sondern:

Organisationen auf Grundlage eines allgemein-christlichen Glaubens, welche ihre Tätigkeit unabhängig kirchlicher Aufsicht ausüben.

Das können unabhängige Missionsgesellschaften, Verlage, karitative Organisationen, christliche Schulen, Werke zur Unterstützung von Einzelpersonen, auch zeitweilige und zweckorientiere Organisationsbündnisse etc. sein. Ich will an dieser Stelle ganz bewußt keine Namen oder Organisationen anführen, sondern dieses Phänomen ganz allgemein zur Diskussion stellen. Können diese Organisationen die Gemeinde ergänzen? Ich meine nein.

Die mit solchen Werken verbundene Problematik begründet sich m.E. dahingehend, dass diese in Konkurenz zur lokalen Gemeinde treten und sich einer biblisch legitimierten Autorität entziehen. Diese Werke existieren heute in großer Anzahl und auch starker Präsenz neben den regulären Kirchen und Gemeinden und requirieren Personal, Zeit und Geld in nicht geringem Ausmaß.

Besitzt die Lokalgemeinde eine solidie biblische Begründung (Mt16:13ff; 1Kor3,6; Eph2:20ff), fehlt diese für unabhängige oder gar überkonfessionelle Organisationen vollständig. Ausschließlich die Kirche besitzt eine legitime Rolle im Heilsplan Gottes! Sie mag diese in Schwachheit ausführen, befindet sich aber stets im Rahmen der Vorsehung Gottes.

Die Lokalgemeinde ist Gottes Plan für die Aufberbauung der Gläubigen, der Mission, dem Dienst aneinander. Für die Lokalgemeinde existiert ein eindeutiger Auftrag, neutestamentliche Strukturen mit Ämtern und Diensten zur Sicherstellung geistlichen Wachstums, einer einheitlichen Lehre (Eph4:11ff), dem Schutz vor falschen Lehrern und Lehre.

All dies existiert bei unabhängigen christlichen Werken nicht!

Bei überkonfessionellen Organisationen kommen die Mitarbeiter darüber hinaus aus verschiedenen Konfessionen. Dies hat zur Folge das zumindest eine Tendenz dahingehend existiert, verbindliche Lehrinhalte als trennend und der Einheit entgegenstehend anzusehen bzw. zu vermeiden. Dies bleibt nicht ohne Auswirkung auf das Wesen des verkündigten Evangeliums, und hat unmittelbar Konsequenzen auf den Glauben des einzelnen und deren Gemeinden.

Verschiedene Bekenntnisse und Konfessionen besitzen eine eindeutige Existenzberechtigung (siehe hier) und sind keinesfalls überflüssig. Trennung und Scheidung sind, so schmerzhaft wie dies auch ist, dort notwendig, wo keine Einigkeit über das Evangelium, die Wahrheit respektive wesentliche Glaubensfragen besteht! Da die Gemeinde ein Leib Gliedern ist, ergibt sich aus dem Einfluß dieser Organisationen auch eine Schwächung der Lokalgemeinde.

Auftrag, Führung und Aufbau solch unabhängiger, überkonfessioneller Werke entsprechen wie angeführt, grundsätzlich nicht dem biblischen Vorbild für Gemeinde und deren Auftrag. Demnach ist deren Legitimität m.E. grundsätzlich in Frage gestellt. Deren bloße Existenz und deren Potential stellen eine bleibende Herausforderung und Konkurrenz für die lokale Gemeinde dar. In diesem Sinne ermutige ich jeden, sich in seine eigene Gemeinde zu integrieren und engagieren.

sdg
apologet

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Die Piscator Bibel

Im deutschsprachigen Raum existiert, nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Dominanz des lutherischen Zweiges der Reformation, wenig reformierte Literatur. Ein besonderes, nahezu vergessenes Werk soll nun als Faksimile-Ausgabe neu herausgegeben werden: die Piscator-Bibel. Eine Übersetzung von Johann Piscator (Fischer), einem reformierten Theologie-Professor.

Der Gelehrte und Theologe Johann Piscator (1546-1625) wollte nicht nur eine für das reformierte Bekenntnis in Deutschland zugeschnittene Bibel herausgeben, sondern das Wort auch mit begleitenden Kommentaren und Verzeichnissen den Lesern verständlich und wertvoll machen – als Dienst für die Gemeinde Jesu, falls sie umständehalber keinen Hirten habe, als Hilfe für Alte und Kranke, die den Gottesdienst nicht mehr besuchen können, sowie als unverzichtbarer Begleiter im Schulunterricht“ (Quelle der Texte und Bilder, Sepher-Verlag Dr. Ulrich Bister Herborn 2008)

Nicht nur die Bibel, sondern auch die begleitenden Kommentare von Piscator, Ursinus und Olevianus sollen in diesem bemerkenswerten Projekt neu verlegt werden. Entdeckt habe ich dies bei nimm und lies – tolle lege. Vielen Dank für diesen interessanten Hinweis!

http://sepher.de

 

sdg
apologet

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Sind Sie ein Evangelikaler?

Die Frage wer oder was ein „Evangelikaler“ ist, kann und wird immer wieder unter den verschiedensten Blickwinkeln diskutiert. Dabei steht zum einen das „Damoklesschwert“ der Fundalismus-Debatte, andererseits nicht selten das eigene Selbstverständnis, die persönliche Biographie zur Diskussion. Neben spezifisch evangelikalen Gemeinden gibt es viele Mitglieder von Landeskirchen die in ihren jeweiligen Kirchen eingebunden sind, die sich aber genauso der “allgemeinen evangelikalen Bewegung” zugehörig fühlen.

Lehrmäßig sind

  • die Betonung der Inspiration der Heiligen Schrift
  • persönliche Glaubenserfahrungen
  • vor allem aber das Konzept der Bekehrung bzw. Wiedergeburt kennzeichnend.

In einem Zitat von Francis Beckwith, Präsident der Evangelical Theological Society, wird die enorme Bandbreite des Begriffes „evangelikal“ deutlich:

Put in terms of specific traditions, if the term ‘Evangelical’ is broad enough to include high-church Anglicans, low-church anti-creedal Baptists, Presbyterians, Methodists, the Evangelical Free Church, Arminians, Calvinists, Disciples of Christ, Pentecostals, Seventh-Day Adventist, open theists, atemporal theists, social Trinitarians, substantial Trinitarians, nominalists, realists, eternal security supporters and opponents, temporal theists, dispensationalists, theonnmists, church-state separationists, church-state accomodationists, cessationists, non-cessationists, kenotic theorists, covenant theologians, paedo-Baptists, Anabaptists, and Dooyeweerdians, then there should be room for an Evangelical Catholic. Return to Rome, S.128 (Quelle:TheoBlog)

Der kleinste gemeinsame Nenner bzw. äußerst interpretationsfähige Formulierungen… sind Grundlage der meisten evangelikalen Bewegungen, Freikirchen oder Personen. Verbindliche Festlegungen dessen, was man ohne Zweifel glaubt oder verwirft, gibt es nur in Ausnahmefällen. Ein solcher Minimalkonsens ist jedoch inakzeptabel. Er bedeutet alles und nichts. Formal beruft man sich zwar beispielsweise auf die Reformation, die fünf Soli, auf die altkirchlichen Bekenntnisse, oder die Gottheit Christi, aber die jeweilige Interpretation fällt so unterschiedlich aus, das neuerdings sogar die mormonische Christologie akzeptabel erscheint (nachzulesen bei DistomosBlog).

David Wells, Professor für historische und systematische Theologie am Gordon-Conwell Theological Seminary, teilt den Evangelikalismus und seine Entwicklung in drei Hauptströme ein:

  1. den „klassischen Evangelikalismus“
  2. die „Vermarkter“
  3. die „Emergenten“

Vergleicht man die Glaubensüberzeugungen dieser drei Strömungen, läßt sich eine fortgesetzte Bezugnahme auf die Reformatoren, insbesondere bei den letzten beiden Strömungen nicht durchhalten. Die jeweiligen Schrift- bzw. Kirchenverständnisse weichen in erheblichem Maße voneinander ab. Wells stellt in seinem Buch „The Courage to be Protestant“ deshalb provokant die Frage: Sind sie ein Evangelikaler?

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Wells kommt zu dem Schluss, dass der Evangelikalismus keiner guten Zukunft entgegen geht, wenn er nicht zu den Grundlagen der Reformation zurückkehrt und an den solas (alleine) der Reformation festhält: „Alleine in der Schrift ist Gottes autoritative Wahrheit zu finden, in Christus alleine ist das Heil, und es ist alleine aufgrund der Gnade, dass wir errettet werden; und diese Errettung empfangen wir durch den Glauben allein.“ (Quelle:DistomosBlog)

Da ich selber einen evangelikalen Hintergrund habe, bis heute in eine evangelikale Gemeinde gehe, bedauere ich diese Entwicklung. Auch sehe ich die geistlich-theologischen Wurzeln des Evangelikalismus zum größten Teil eher in der Radikalreformation. Von dieser ausgehend, über den Pietismus und nicht in der Reformation. Luther oder Calvin würden bereits das „Sola Scritura“ Verständnis weiter Teile des Evangelikalismus definitiv als nichtreformatorisch beurteilen.

Die Glaubensbasis der EAD oder anderer formulierter evangelikaler Glaubensgrundlagen sind zumeist defizitär bzw. sehr interpretationsfähig. Ganz im Gegenteil zu den reformatorischen Bekenntnissen, die an Eindeutigkeit nichts zu wünschen übrig lassen. Sowohl hinsichtlich dessen was zu glauben, als auch abzulehnen ist.

Unbestritten gibt es vor allem in den Landeskirchen diverse klassische Evangelikale, allerdings stehen diese mit den für sie verbindlichen Bekenntnissen im Widerspruch. Ein bekenntnisorientierter reformierter Christ kann m.E. daher kein Evangelikaler sein.

sdg
apologet

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Die Frage nach der Bibeltreue oder nach der Farbe meiner Spiritualität

Christian A. Schwarz ist ein einflussreicher praktischer Theologe. Sein „Institut für natürliche Gemeindeentwicklung“ hat bereits mit mehr als 60.000 Gemeinden in 70 Ländern zusammengearbeitet. In seinem Buch „Die 3 Farben deiner Spiritualität“ stellt er verschiedene Wege der Gottesbegegnung heraus. Das Buch erhebt den Anspruch einer „fundamentalen Entdeckung“1.

Auf dieser Grundlage „entwirft das Buch einen Wachstumsplan, der zu Leidenschaft, Balance und Reife führt.“2 Aus der Vielfalt von geistlichen Stilen entwickelt Schwarz neun Haupttypen in einen „Trinitarischen Kompass“3. Schwarz behauptet, dass „in Jesus alle neun Stile ihre Einheit finden“4. Er „repräsentiert das Ganze“5. Dass es von nüchtern bis schwärmerisch und von bibeltreu bis liberal unterschiedliche Ausprägungen christlichen Glaubens gibt, ist offensichtlich. Diese einander gegensätzlichen Stile als Vielfalt und Bereicherung anzusehen, deutet bereits an, dass ein anderer Maßstab angelegt wird. Bei Schwarz sind nämlich sämtliche Ausprägungen gleichberechtigt. So sind nicht die einen bibeltreu und die anderen eben nicht, sondern die einen sind mehr bibelzentriert und die anderen eben mystisch oder enthusiastisch. Auf diese diplomatische Weise lässt sich zum Beispiel der Gegensatz „nüchtern-schwärmerisch“ darstellen. „Da geht es nicht um ‚schlechten Glauben’ versus ‚guten Glauben’“6, schreibt Schwarz.

Es geht „um verschiedene – jeweils positive, aber ergänzungsbedürftige – Weisen der Begegnung mit Gott.“7 Damit werden neben biblisch legitimen Stilen wie „bibelzentriert“, „rechtgläubig“ und „missionarisch“ auch so genannte Stile wie „sinnlich“, „sakramental“, „mystisch“ und „enthusiastisch“ als mindestens ebenso positiv angesehen. Kein Stil ist an sich besser. Der eine ist eben „stärker extrovertiert“ (‚Arme hoch’), der andere stärker introvertiert (‚Kopf runter’)“8. Bibelzentriertheit bedarf der Ergänzung durch die Mystik, Rechtgläubigkeit der Ergänzung durch Enthusiasmus und umgekehrt. Dass im Neuen Testament nie dazu aufgefordert wird, enthusiastisch zu sein, mehrfach aber, nüchtern zu sein (1Kor 15,34; 1Thes 5,6-8; 1Tim 3,2.11; 2Tim 2,26.4,5; Tit 2,2; 1Pet 1,13.4,7.5,8), tut hier nichts zur Sache. Das Kriterium „biblisch“ gilt nach Schwarz ausnahmslos für alle neun Typen. Daher ist es nicht als Einzeltyp markiert. Wer „bibelzentriert“ ist, hat einfach nur eine andere „Antenne“ für Gott. Jeder Stil soll als „Antenne für das Göttliche“9 gesehen werden, denn „Gott sendet auf allen neun Kanälen“10. Will jemand nur bibelzentriert und rechtgläubig sein, hat er eben nur zwei Kanäle auf Empfang eingestellt.

Um dieses Defizit zu beheben, „bedarf es im Blick auf die neun Kanäle, über die Gott mit uns kommuniziert, bisweilen einiger Übung, bevor wir etwas empfangen können.“11 Mystik einzuüben ist damit also nicht nur legitim, sondern gar eine Bereicherung in der Gottesbegegnung. Kriterium für den richtigen Schlüssel zu Gott ist das persönliche Erleben in Form von „Spüren“ und „Fühlen“. Die Erklärung von Schwarz sei hier im Zusammenhang zitiert: „Bei jedem Stil ist es hilfreich zu fragen, wann bzw. an welchen Orten die Menschen, die diesen Stil haben, sich Gott ganz besonders nahe fühlen. Dabei ist es freilich so, dass uns Gott in diesen Situationen objektiv näher wäre als in anderen. Aber wir spüren seine Nähe stärker, wir fühlen uns ihm näher. Bei manchen Menschen stellt sich dieses Gefühl ein, wenn sie in großen charismatischen Konferenzen etwas erleben, was über ihren Verstand hinausgeht. Bei anderen ist eine feierliche, von Liturgie und Wiederholung geprägte Atmosphäre wichtig, um das Gefühl der Nähe zu Gott zu erzeugen.“12 (Hervorhebung im Original.) In diesem Zitat wird neben der Gleichberechtigung unterschiedlicher Stile außerdem deutlich, dass man ein Gefühl der Gottesnähe „erzeugen“ bzw. selber machen kann. Der Gläubige kann hierbei auswählen, welcher Stil am besten seinem Gefühl bzw. Wohlgefühl entspricht. Durch diese Bedürfnisorientiertheit verkommt der Glaube von der Christusnachfolge zur Gefühlsnachfolge.

John MacArtur – Slave

Peter Voth von Reformatorisch heute, weist auf das neue Buch von John MacArthur, „Slave: The Hidden Truth About Your Identity in Christ“ hin. Wenn nichts dazwischen kommt, wird es bereits Ende diesen Jahres in deutscher Sprache im Betanien-Verlag erscheinen. Ich bin gespannt auf dieses Buch, da ich mich vor einiger Zeit selbst mit diesem Begriff ein wenig auseinandergesetzt habe.

Der Begriff „doulos“ (→ altgriech. von „deō“=binden) wird mit verschiedenen deutschen Begriffen, beispielsweise mit Sklave, Leibeigener, Knecht, Diener (→ blueletterbible.org/Liddell&Scott) übersetzt. „Doulos“ wird in der LXX für den alttestamentlichen Begriff „ebed“ (hebrä.) verwandt.

Der Begriff „ebed“ wiederum, wurde für verschiedene Formen unfreier Arbeit benutzt bzw. „durchgängig auch metaphorisch für die Beziehung zwischen Gott und Mensch gebraucht“[1].

In der deutschen, wie auch anderen Sprachen, wird inhaltlich oft mehr oder weniger zwischen „Sklave“, „Knecht“ oder „Diener“, manchmal sogar zwischen einem Sklaven von Geburt bzw. erst später versklavten Menschen unterschieden[2]. Diese Unterscheidungen sind jedoch Folge eines geschichtlichen Bedeutungswandels bzw. einer Bedeutungserweiterung.

Auch in den deutschen Übersetzungen wird der Begriff mal als „Knecht“ (→  Singular 97x in 94 Stellen; Plural 10x), mal als „Sklave“ (→  16x in 13 Stellen)[3] übersetzt. Grundsätzlich wird der Begriff „doulos“ jedoch benutzt, um eine Beziehung, ein Verhältnis der Unterstellung zu beschreiben.

In den Kommentaren wird daher zumeist auch die untergeordnete Stellung des Sklaven im Bezug auf seinem Herrn betont[4]. Dies ist ohne Zweifel der wesentliche und zentrale Aspekt. Nicht übersehen werden sollte dabei jedoch, dass im 1.Jhd. nicht jeder Sklave gesellschaftlich eine prinzipiell „untergeordnete Stellung“ innehatte. Abhängig von der Position des jeweiligen Herrn, beispielsweise als Angehörige vornehmer Häuser oder gar des Kaiserhauses konnten Sklaven bzw. Knechte durchaus mehr Autorität als ein freier Bürger besitzen[5].

Wenn sich die Apostel verschiedentlich als Sklaven bzw. Knechte Christi bezeichnen, beschreibt dies auf der einen Seite ohne Zweifel ihre untergeordnete Stellung, andererseits jedoch auch ihre bevorzugte Beziehung zu Gott.

Und wenn sich Paulus in Titus 1 Knecht Gottes nennt, stellt er sich damit in eine Reihe mit Mose, David und den Propheten[6].

Ich bin, wie gesagt, gespannt auf das Buch von MacArthur und meine, dass es in der Tat ein interessantes und beleuchtenswertes Thema ist. Hier der offizielle Trailer zu dem Buch.

Tim Challies interviewt John MacArthur DistomosBlog
Interview mit John MacArtur: ChristianPost.com


[1] Zivilisation und Gefahr: Wissenschaftliche Schriften. Von Franz Baermann Stein er 2 Liddell&Scott

[2] Liddell&Scott

[3] The Word; Bibelkommentare.de

[4] MacDonald; McArthur

[5] ESV Studybible

[6] ebd.

Zeichen und Wunder in der Moderne – simonische Wundersucht

Der Wunsch nach einem besonderen Segen, nach Zeichen und Wundern. Dies kennt man vor allem aus der Pfingst- bzw. Charismatischen Bewegung.  Allerdings findet eine ähnliche Erwartung auch immer mehr Eingang in konservative Gemeinden. Die Aufforderung von der Kanzel, unter Handauflegung füreinander um Heilung  zu beten oder die grundsätzliche Erwartung einzelner, nach der Heilung von Krankheiten normaler Bestandteil christlichen Lebens wäre. Kritisiert man eine solche Erwartungshaltung, bekommt man hin und wieder entgegengehalte, man „unterdrücke den Heiligen Geist“ bzw. täte der Bibel „Gewalt an„.

Wirft man einen Blick in die Geschichtsschreibung der apostolischen Zeit, der Apostelgeschichte, kann man tatsächlich von vielen Zeichen und Wundern lesen, jedoch exklusiv gewirkt durch die Apostel und der besonders von diesen beauftragten Mitarbeitern, Stephanus und Philippus (Apg6,5). Paulus bezeichnet Zeichen und Wunder in 2Kor12,12 jedoch ausdrücklich als ausweisendes Zeichen von Apostelschaft. So auch bei der Missionierung Samaria’s. Philippus, beauftragt von den Aposteln, wirkte im Rahmen der Evangeliumsverkündigung in Samaria viele Zeichen und Wunder. Einer der Gläubigen – als solcher wird Simon in Apg8,13 explizit bezeichnet – sah diese und wollte – ebenso wie es die Sehnsucht vieler heutiger Gläubigen ist – diese apostolische Vollmacht besitzen.

Apg8,5  Philippus aber ging hinab in eine Stadt Samarias und predigte ihnen den Christus. 6  Und die Volksmengen achteten einmütig auf das, was von Philippus geredet wurde, indem sie zuhörten und die Zeichen sahen, die er tat. 7  Denn von vielen, welche unreine Geister hatten, fuhren sie aus, mit lauter Stimme schreiend; und viele Gelähmte und Lahme wurden geheilt. 8  Und es war eine große Freude in jener Stadt. 9  Ein gewisser Mann aber, mit Namen Simon, befand sich vorher in der Stadt, der Zauberei trieb und das Volk von Samaria außer sich brachte, indem er von sich selbst sagte, daß er etwas Großes sei; 10  welchem alle, vom Kleinen bis zum Großen, anhingen, indem sie sagten: Dieser ist die Kraft Gottes, die man die große nennt. 11  Sie hingen ihm aber an, weil er sie lange Zeit mit den Zaubereien außer sich gebracht hatte. 12  Als sie aber dem Philippus glaubten, der das Evangelium von dem Reiche Gottes und dem Namen Jesu Christi verkündigte, wurden sie getauft, sowohl Männer als Weiber. 13  Aber auch Simon selbst glaubte, und als er getauft war, hielt er sich zu Philippus; und als er die Zeichen und großen Wunder sah, welche geschahen, geriet er außer sich. 14  Als aber die Apostel, welche in Jerusalem waren, gehört hatten, daß Samaria das Wort Gottes angenommen habe, sandten sie Petrus und Johannes zu ihnen; 15  welche, als sie hinabgekommen waren, für die beteten, damit sie den Heiligen Geist empfangen möchten; 16  denn er war noch nicht auf einen von ihnen gefallen, sondern sie waren allein getauft auf den Namen des Herrn Jesus. 17  Dann legten sie ihnen die Hände auf, und sie empfingen den Heiligen Geist. 18  Als aber Simon sah, daß durch das Auflegen der Hände der Apostel der [Heilige] Geist gegeben wurde, 19  bot er ihnen Geld an und sagte: Gebet auch mir diese Gewalt, auf daß, wem irgend ich die Hände auflege, er den Heiligen Geist empfange. 20  Petrus aber sprach zu ihm: Dein Geld fahre samt dir ins Verderben, weil du gemeint hast, daß die Gabe Gottes durch Geld zu erlangen sei! 21  Du hast weder Teil noch Los an dieser Sache, denn dein Herz ist nicht aufrichtig vor Gott. 22  Tue nun Buße über diese deine Bosheit und bitte den Herrn, ob dir etwa der Anschlag deines Herzens vergeben werde; 23  denn ich sehe, daß du in Galle der Bitterkeit und in Banden der Ungerechtigkeit bist. 24  Simon aber antwortete und sprach: Bittet ihr für mich den Herrn, damit nichts über mich komme von dem, was ihr gesagt habt.

Was kann man dieser Begebenheiten aus der Apostelgeschichte entnehmen? Als erstes sehen wir den Gehorsam der Apostel gegenüber dem prophetischen Auftrag Christi, das Evangelium, ausgehend von Jerusalem über Judäa in Samaria und der ganzen Welt zu verkündigen (Mk16,15; Apg1,8). Nachfolgende Zeichen waren den Aposteln dabei vom Herrn verheißen worden (Mk16,17). Wir haben es also mit der unmittelbaren Erfüllung einer Verheißung zu tun. Weiterhin wird die direkte Verknüpfung der apostolischen Verkündigung und der bestätigenden Zeichen und Wunder deutlich. Und für das hier behandelte Thema – der menschlichen Wundersucht – von Interesse, begegnet uns der Gläubige Simon. Wir sehen, dass es sich um:

  • ein altes und bekanntes Phänomen handelt
  • dieses Phänomen sehr wohl auch innerhalb der Gemeinde und bei Gläubigen auftritt
  • es sich dabei um ein magisches Verständnis und
  • eine Verfügbarmachung Gottes handelt

Die moderne simonische Wundersucht findet keinerlei Legitimation durch biblische Verheißungen an die Gemeinde oder den Christen an sich. Zeichen und Wunder waren und sollten nie alltägliche Begleiterscheinungen im Leben der Gläubigen sein. Sinn und Zweck von „Zeichen und Wundern“ in den Zeiten deren größten Konzentration war es nie, zu einer stärkeren Hinwendung zu Gott führen. Gott hat es zu keinem Zeitpunkt nötig mit seiner Macht zu prahlen, und Menschen kehrten trotz vieler Zeichen nicht um.

Es stellt sich daher die Frage zu welchem Zweck „Zeichen und Wunder“ zu bestimmten Zeiten besonders gehäuft auftraten.

  • Zeichen“ begleiten und beglaubigen neue Abschnitte göttlicher Offenbarung und ihrer Schriftwerdung (Heb 2, 3ff ).
  • autorisieren und legitimieren die Übermittler der neuen Offenbarung. Weil die drei genannten Personengruppen besondere Bedeutung für neue Offenbarungsstadien hatten, gab Gott ihnen auch in besonderer Weise die Vollmacht, Zeichen und Wunder zu wirken. Mit eben dieser Verzahnung von Offenbarungsmittlerschaft und Wundertätigkeit endet der Pentateuch (5Mose 34,10-12)
  • Zeichen und Wunder beglaubigen in besonderer Häufigkeit und Massivität die Offenbarung (Botschaft) und die Offenbarungsmittler (Botschafter) der neutestamentlichen Zeit (Joh 21,25)
  • Nachdem das Neue eingeführt, das Zeugnis bekannt war, hörten die Zeichen jeweils wieder auf.

Der Bund in Christus, als Gott Mensch und in seinem Blut der verheißene Bund besiegelt wurde, war ein einmaliges historisches Geschehen von kosmischem Ausmaß, welches von unzähligen Zeichen und Wundern begleitet worden ist (Joh21,25). Diese waren Ausweis seiner Messianität und Gottessohnschaft (Matth11,2-5; Joh20,30.31; Lk4,16-21).

Die Apostel waren die von Jesus Christus erwählten „Diener des Neuen Bundes“ (2Kor3,6), um Menschen durch ihre Verkündigung in den Neuen Bund, die Gemeinde einzuführen. Dieses offenbarte „Geheimnis“ wurde ebenfalls von Zeichen und Wundern begleitet (Hebr2,4) und durch diese legitimiert.

Außerhalb der drei besonderen Heilsabschnitte (Mose, Propheten bzw. Christus und die Apostel) der Schrift, sind nur wenige, vereinzelte Wunder überliefert. Wir lesen nichts von Zeichen bis zur Zeit Moses, es werden wenige Wunder in der Richter- oder Königszeit berichtet, und auch nicht nach den Propheten Elia, Elisa bis zum Ende des AT!

Auch gegen Ende der Apostelgeschichte werden die überlieferten Zeichen seltener (in der frühen Kirchengeschichte findet sich nichts mehr), und vor allem finden wir keine Lehre über „Zeichen“ in den Briefen.

In der Kirchengeschichte finden wir nur bei Sekten, wie den Montanisten (das Prophetentum) ähnliche Ideen bis zum Auftreten der neuzeitlichen Schwärmer. Aber waren und sind dies echte Wunder?

Eine Erwartungshaltung, Gott müsse zu allen Zeiten „Zeichen und Wunder“ wirken, findet keinerlei Begründung in der Schrift. „Zeichen“ erfüllten einen bestimmten Zweck, keineswegs dabei jedoch Glauben zu wirken oder zu stärken:

Joh12, 37 Obwohl er aber so viele Zeichen vor ihnen getan hatte, glaubten sie nicht an ihn; 38 damit das Wort des Propheten Jesaja erfüllt würde, das er gesprochen hat: »Herr, wer hat unserer Verkündigung geglaubt, und wem ist der Arm des Herrn geoffenbart worden?« 39 Darum konnten sie nicht glauben, denn Jesaja hat wiederum gesprochen: 40 »Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verhärtet, damit sie nicht mit den Augen sehen, noch mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile«. 41 Dies sprach Jesaja, als er seine Herrlichkeit sah und von ihm redete.

Zeichen und Wunder traten wie gesagt, nur zu bestimmten Zeitabschnitten auf. Nachdem die Verheißungen bezüglich der „Zeichen und Wunder“ beim Erscheinen des Messias erfüllt wurden, sind die ausstehenden Zeichen nach den Aussagen der Schrift Gerichtszeichen. Falsche Christusse, Apostel und Propheten werden „Zeichen“ wirken, so wie die Zauberer des Pharao „Zeichen“ in der Weise wie Mose wirken konnten. Diejenigen, denen die heutigen Wunder und Zeichengläubigen nachrennen, sind uns zur Genüge bekannt.

2Thess 2,9 erfolgt, unter Entfaltung aller betrügerischen Kräfte, Zeichen und Wunder 10 und aller Verführung der Ungerechtigkeit bei denen, die verlorengehen, weil sie die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen haben, durch die sie hätten gerettet werden können. 11 Darum wird ihnen Gott eine wirksame Kraft der Verführung senden, so daß sie der Lüge glauben, 12 damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt haben, sondern Wohlgefallen hatten an der Ungerechtigkeit.

Von großen Erweckungen mit einhergehenden „Zeichen und Wundern“ in den letzten Zeiten der Gemeinde steht nichts in der Bibel. Wenn heute moderne „Propheten“ und „Wunderheiler“ anderes prophezeien, geschieht das zwar im Namen Gottes, sollte jedoch viel eher kritisch stimmen.

Echter, rettender Glaube kommt allein und ausschließlich aus der Predigt und diese aus dem Wort (Röm1,16 ; Röm10,17 ; 1Kor1,21) und nicht aufgrund von „Zeichen und Wunder“ sagt das Wort Gottes. Aber das reicht offensichtlich nicht, wie es auch damals vielen Juden nicht reichte zu denen Gott durch Paulus folgendes sagen ließ:

1Kor1, 18 Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verlorengehen; uns aber, die wir gerettet werden, ist es eine Gotteskraft; 19 denn es steht geschrieben: »Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen«. 20 Wo ist der Weise, wo der Schriftgelehrte, wo der Wortgewaltige dieser Weltzeit? Hat nicht Gott die Weisheit dieser Welt zur Torheit gemacht? 21 Denn weil die Welt durch [ihre] Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott, durch die Torheit der Verkündigung diejenigen zu retten, die glauben. 22 #Während nämlich die Juden ein Zeichen fordern# und die Griechen Weisheit verlangen, 23 verkündigen wir Christus den Gekreuzigten, den Juden ein Ärgernis, den Griechen eine Torheit; 24 denen aber, die berufen sind, sowohl Juden als auch Griechen, [verkündigen wir] Christus, Gottes Kraft und Gottes Weisheit.

Werden beispielsweise die Pharisäer und jene, welche ebenso dachten von Christus kritisiert, weil sie aus falschen Motiven nach Zeichen und Wundern verlangen, wird selbst der Apostel Thomas nicht von der Kritik des Herrn ausgespart, weil er seinen Glauben nicht allein im Vertrauen auf das Wort von Jesus hin, sondern auf Zeichen aufbauen wollte.

Joh 20,29 Jesus spricht zu ihm: Thomas, du glaubst, weil du mich gesehen hast; glückselig sind, die nicht sehen und doch glauben!

Ebensowenig „gehört“ uns Heilung, wie so manche aus dem pfingstlich/charismatischen aber auch vermehrt aus dem evangelikal-schwärmerischen Bereich reklamieren. Heilung kann weder „beansprucht“ noch „proklamiert“ oder durch „Gaben der Heilung“ herbeigeführt werden. Krankheit ist im Gegenteil sehr wohl explizit Teil des Handelns Gottes an uns (2Kor12,7-10 ; Hebr12,3-11 ).

Niemand würde oder könnte heute an echten Wunder, wie der Totenauferweckung des Lazarus zweifeln, genauso wie damals niemand daran zweifeln konnte. Falsche Wunder bewirken letztlich jedoch nicht einmal Ehrfurcht bzw. verunehren Gott sogar. Sie verführen Gläubige und verdunkeln das Evangelium. „Wunder“ stärken jedoch den Glauben nicht, dies bewirkt allein das Wort Gottes. Die simonische Wundersehnsuch in den heutigen Gemeinden läßt vielmehr den eklatanten Mangel an Erkenntnis, also der Beschäftigung mit dem Wort Gottes deutlich werden.

sdg
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Betanien Konferenz 2011

Am Samstag, den 10. September 2011, findet die 3. Betanien-Konferenz mit dem Thema: „Geistliches Unterscheidungsvermögen lernen & fördern. Wie stärken und schützen wir unsere Gemeinden?“ statt.

Referenten und Vortragsthemen:

  1. Thorsten Brenscheidt: Neue Trends in Gemeinden – Ursachen und Folgen. Wie gehen wir damit um?
  2. Martin Erdmann: Die systematische Verführung durch die evangelikale Machtelite
  3. Hans-Werner Deppe: Die Stimme des Hirten: Wegweisung durch ein klares Evangelium
  4. Dirk Noll: Hab acht auf dich selbst und auf die Lehre!

Quelle

Weitere reformatorisch/reformierte Konferenzen in 2011 hier