Sollte man sich "evangelikal" nennen?

Aktuell wird in der Idea-Rubrik „Pro & Kontra“ die Frage gestellt: Sollte man sich „evangelikal“ nennen?

Läßt sich diese Frage tatsächlich so einfach beantworten wie es die beiden Angehörigen der Idea-Redaktion tun, oder ist die Sachlage komplexer?

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Atheismus – eine Glaubensposition

Atheismus: kein weltanschaulich neutraler, sondern ein durch und durch religiöser Begriff. Als negative Kategorie bezeichnet er das Fehlen von etwas: Gott

Nicht selten bestreiten Atheisten, daß Grundlage ihrer Weltanschauung selbst eine Glaubensposition ist.

Da ein Atheist jedoch lediglich glaubt es gäbe keinen Gott – beweisen kann er es ja nicht – formuliert er eine Gegen- bzw. Antithese. Diese ist mit Fug und Recht Unglaube zu nennen. Agnostiker könnten viel eher  für sich in Anspruch nehmen, was für den Atheismus behauptet wird: weltanschauliche Neutralität.

So gesehen unterliegen viele einem gewichtigen Irrtum. Ein Atheist bekennt ausdrücklich seinen Unglauben an Gott (welchen auch immer). Er verneint  Metapysik als solches und ist seiner weltanschaulischen Orientierung Naturalist bzw. Materialist.

Daher wäre Atheismus auch in einem nichtreligiösen Umfeld eine Glaubensposition, nämlich jene, die jeglichen „Geist„, jede von Materie getrennte Kategorie verneint.

(hier) unterscheidet in seinem – schon etwas älterem Buch, „Atheismus – Humanismus – Christentum“ zwischen drei verschiedenen Erscheinungsformen des Atheismus. Ich hab die wesentlichen Charakteristika als Substrat zusammengefasst:

  • Atheismus militans (früher marxistisch, heute oft humanistisch)
  • Atheismus philosophicus (westlich, philosophisch)
  • Atheismus practicus

Atheismus militans (östlich, marxistisch)

Prinzipielle Gottlosigkeit, Gewalt als Ausdrucksmittel der Wahrheit (geprägt durch russ. Revolution 1917; Hromadka), geschichtliche Kraft, klassisch-dialektischer Materialismus, Erkenntnis ausschließlich auf naturwissenschaftlicher Basis (Experiment, Statistik, Enzyklopädie), rein methodisch, intellektuell unreif, präzise aber oberflächlich und naiv, dogmatisch und simplifizierend, naiv-optimistische Anthropologie , Fähigkeit zur Kritik,

Atheismus subtilissive philosophicus (westlich, philosophisch)

Verweigernde Gottlosigkeit, bei Satre wäre selbst ein bewiesener Gott bedeutungslos, verachtend:

„Der Mensch muß sich selber wieder finden und sich überzeugen, das ihn nichts vor ihm selber retten kann, wäre es auch ein gültiger Beweis der Existenz Gottes.“ Jean Paul Satre

oder erwartungslos und resignierend wie bei Camus:

„Ich weiß, das der Himmel, der eure furchtbaren Siege voll Gleichgültigkeit betrachtete, eure gerechte Niederlage ebenfalls gleichgültig hinnehmen wird. Auch heute erwarte ich nichts von ihm.“ Albert Camus

theoretische, offensive Verneinung Gottes, illusionslose Anthropologie

Atheismus practicus

Ignorante Gottlosigkeit, intellektueller Provinzialismus bzw. metapysische Schwäche, keine antitheistische Theorie sondern praktische Ignorierung Gottes, schweigende Paganisierung (im Sinne einer Austrocknung der alten Religion -> Rom).

Auslegung der Parabel von Lazarus und dem Reichen von Bengel:

„Der Reiche sei nicht wegen einer Häresie zur Hölle verdammt worden, sondern nur deswegen, weil er in einem gewissen Atheismus practicus lebte und Gott und die Ewigkeit mißachtete“ Johann Albrecht Bengel, Gnomon Novi Testamenti (1687- 1752)

Unbeholfen in religiösen Angelegenheiten, ebenfalls spezifisch naturwissenschaftliches Denken und dadurch vom Glaubensdenken abgeschnitten

„Wenn, unter solchem Gesichtspunkt betrachtet, nicht einmal Reste des Christentums mit übernommen werden, so bedeutet es, daß das Christentum tot ist, so tot, das es eine Übernahme nicht wert ist. So ist es. [ .. } Die Einheit der abendländischen Zivilisation ohne das Christentum ist so stark, das sie dort, wo sie übernommen wird, auch keinen Raum mehr für einen andere Hochreligion lässt. Wer sie übernimmt, zerstört seine alte religiöse Welt. Das heißt: Mit dem Christentum sterben die anderen Hochreligionen.“ C. W. Marek bzw. Ceram, Götter, Gräber und Gelehrte (das Ende der Hochreligionen)

sdg
apologet

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