Artikelreihe – Oft missbrauchte Bibelstellen: "Richten" (Matthäus 7,1ff)

mißbrauchte BibelstellenWorum geht es Christus, wenn Er in Matth7,1 sagt, das der nicht „richten“ (krinō) soll, der nicht gerichtet werden will? Nicht selten wird diese Bibelstelle herangezogen, wenn konkrete Handlungen im Privatleben beurteilt werden. Schnell bringt es den Vorwurf der Diskriminierung (discriminare) oder Verurteilung ein.

 

Vom Richten und von Splittern
08.04.2004
Mit freundlicher Genehmigung von Marc Dannlowski

LUT Mt 7:1 Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet. 2 Denn nach welchem Recht ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr meßt, wird euch zugemessen werden. 3 Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge? 4 Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen?, und siehe, ein Balken ist in deinem Auge. 5 Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; danach sieh zu, wie du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehst.

Diese Bibelstelle ist nun wirklich sehr beliebt und wird derartig oft benutzt, dass man sie auch auf Platz 1 setzen könnte. Wie oft schon habe ich diese Argument gehört man dürfe doch nicht andere Meinungen als falsch bezeichnen und es sei doch lieblos andere zu richten in dem man ihre Aussagen negativ beurteilt. Zudem sei es doch überheblich sich eine Beurteilung anzumaßen denn man würde ja den Balken im eigenen Auge übersehen. Was soll man also dazu sagen?

Nun, wenn Jesus hier von richten spricht, dann meint er sicher nicht das Beurteilen von Glaubensüberzeugungen andere Menschen. Jesus selbst hat ja ständig Sadduzäer und Pharisäer scharf verurteilt.

Man kann zwar einwenden, dass Jesus Gott ist und es nur ihm zusteht derartiges zu tun, aber immerhin sollen wir seinem Vorbild folgen, auch wenn wir nicht er sind.

Deutlicher wird nun aber die prinzipielle Erlaubnis zu beurteilen in dem was die Apostel gesagt haben:

LUT Kol 2:8 Seht zu, daß euch niemand einfange durch Philosophie und leeren Trug, gegründet auf die Lehre von Menschen und auf die Mächte der Welt und nicht auf Christus.

LUT Gal 1:6 Mich wundert, daß ihr euch so bald abwenden laßt von dem, der euch berufen hat in die Gnade Christi, zu einem andern Evangelium, 7 obwohl es doch kein andres gibt; nur daß einige da sind, die euch verwirren und wollen das Evangelium Christi verkehren. 8 Aber auch wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen würden, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht. 9 Wie wir eben gesagt haben, so sage ich abermals: Wenn jemand euch ein Evangelium predigt, anders als ihr es empfangen habt, der sei verflucht. 10 Predige ich denn jetzt Menschen oder Gott zuliebe? Oder suche ich Menschen gefällig zu sein? Wenn ich noch Menschen gefällig wäre, so wäre ich Christi Knecht nicht.

LUT 1 Joh 2:22 Wer ist ein Lügner, wenn nicht der, der leugnet, daß Jesus der Christus ist? Das ist der Antichrist, der den Vater und den Sohn leugnet.

LUT 2 Joh 1 Denn viele Verführer sind in die Welt ausgegangen, die nicht bekennen, daß Jesus Christus in das Fleisch gekommen ist. Das ist der Verführer und der Antichrist.

LUT 1 Kor 15:12 Wenn aber Christus gepredigt wird, daß er von den Toten auferstanden ist, wie sagen dann einige unter euch: Es gibt keine Auferstehung der Toten? 13 Gibt es keine Auferstehung der Toten, so ist auch Christus nicht auferstanden. 14 Ist aber Christus nicht auferstanden, so ist unsre Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube vergeblich.

LUT Apg 20:29 Denn das weiß ich, daß nach meinem Abschied reißende Wölfe zu euch kommen, die die Herde nicht verschonen werden.

LUT 2 Kor 11:13 Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter und verstellen sich als Apostel Christi.

LUT 1 Joh 4:1 Ihr Lieben, glaubt nicht einem jeden Geist, sondern prüft die Geister, ob sie von Gott sind; denn es sind viele falsche Propheten ausgegangen in die Welt.

LUT 1 Tim 4:16 Hab acht auf dich selbst und auf die Lehre; beharre in diesen Stücken! Denn wenn du das tust, wirst du dich selbst retten und die, die dich hören.

Das sind nur einige Bibelstellen in denen zum Ausdruck kommt, dass im Neuen Testament ständig beurteilt wird. Immer wieder ermahnt Paulus bei der heilsamen Lehre zu bleiben und nicht den Fabeln zu folgen.

Gerade in Galater 1 verurteilt er scharf die judaistischen Irrlehrer die auch Jesus predigten aber eben plus Gesetzeswerke. (also Beschneidung, Speisegebote etc.)

Dieser Befund zeigt also deutlich, dass Jesus sicher nicht(!!!!) gemeint hat man dürfe nicht mehr aufgrund des biblischen Wortes beurteilen.

Was hat er aber dann gemeint? Nun, ich denke was er meinte ist, dass nur Gott es zusteht wirklich endgültig über einen Menschen das Urteil zu sprechen. Als Christen sollen wir beurteilen und notfalls sogar Menschen aus der Gemeinde ausschließen (Mt. 18,15ff. ) und ihn als einen Heiden ansehen; aber wer weis schon ob nicht dieser Mensch nicht doch noch einmal umkehrt und gerettet wird (was ja auch das pädagogische Ziel der Gemeindezucht ist!).

Was wir also sagen können ist, wenn jemand dieses oder jenes nicht glaubt (ich rede hier von heilsnotwendigen Dingen: Trinität, leibliche Auferstehung Jesu, Menschheit Jesus und Gottheit Jesus sola gratia – allein die Gnade, sola fide – allein der Glaube usw.) und sein Glaube sich nicht ändert wird er in der Hölle landen. Ob dieser Mensch aber wirklich in der Hölle landet weiß nur Gott. Diese letzte Urteil steht nur ihm zu. Daher gilt: Beurteilen ja, endgültig richten nein!

Noch kurz zur Splitter und Balken Thematik:

Wichtig ist hier, dass Jesus es ja gar nicht als falsch ansieht den Splitter zu entfernen. Man soll also nicht meinen es wäre grundsätzlich falsch Mitbrüder in Sanftmut zurechtzuweisen (vgl. 2Tim 2).

Das ist also nicht gemeint. Das Problem ist hier, dass der falsche zurechtweist.

Jesus hat hier vor Augen, dass jemand meint einen anderen ermahnen zu müssen obwohl er ja selbst eine noch „größere“ Sünde (zumindest was die Beurteilung von Sünden nach der härte der Strafen des Gesetzes angeht) begeht.

Ein Beispiel wäre dafür, dass ein Christ in großem Maße Steuerhinterzeihung betreibt, also klaut. Wenn dieser Christ nun meint seinen Bruder, der einen Ladendiebstahl begangen hat, zurechtweisen zu müssen, so ist dies genau das was Jesus hier anspricht.

Und wohlgemerkt: Ladendiebstahl bleibt falsch und der Christ sollte zurechtgewiesen werden; nur bitte nicht gerade von demjenigen der selbst den Balken der Steuerhinterziehung im Auge hat. So denke ich hat Jesus diese Sätze gemeint.

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Ein Kommentar zu „Artikelreihe – Oft missbrauchte Bibelstellen: "Richten" (Matthäus 7,1ff)

  1. So viel Unsinn habe ich selten gelesen und das ist der Grund warum Menschen nicht mehr glauben wollen. Wenn ein Mensch beginnt Gott und Jesus bzw. das was er evtl. dachte oder meint zu erklären geht eine Schublade auf und siehe da, wieder hat es mal jemand geschaft einen Gedanken in die Welt zu setzten der so reduziert wird das Gott in dem was er meint und dachte auf einmal in ein menschliches Gehirn passt!! Erstaunlich! Ins Herz passt es jedenfalls nicht und es kommt noch nicht einmal teileise dort an, bei all den Hindernissen, die das Fühlen dieser Massage -auf Grund der Beschränktheit dieser „Jesus-Meinung“- überhaupt nicht erfahrbar werden lässt! So schreibt jemand der mit seinem Hintern warm im Industriestaat sitzt und Zeit hat zu urteilen.
    Wie Oma immer sagte:“ Umgib Dich nicht mit unanständigen Menschen“ worauf ich nur zu antworten wußte -wie es vor mir schon jemand tat- „Na dann viel Spass beim ALLEINE sein!
    Jesus ist da für genau jene, welche wir aus den Kirchen verbannen und jemand der soetwas schreibt würde Jesus auch heute nicht erkennen und wieder ans Kreuz schlagen!! Es gibt keine Liebe in solchen Worten und sie spalten statt zu verbinden und verhindern, für andere Erfahrbar zu werden um den Wert eines gelebten Wort Gottes zu begreifen.

    Wie sagte (André Brie) so treffend: „Die Wahrheit lügt in der Mitte.“

    Was Du siehst stimmt, nun prüfe ob es auch wahr ist!!!

    Wer die Wahrheit liebt, urteilt oft scharf (vorausgesetzt, dass er das darf) aber letztendlich haben wir alle unserer eigene Wahrheit -DENN SIE IST NICHT DARAUF ANGEWIESEN VON UNS ENTDECKT ZU WERDEN!!!
    .(..abgesehen davon, dass wir Menschen die Wahrheit auch oft nur mit der Mehrheit verwechseln…)
    Wir haben keine Ahnung: weder vom Tod, noch vom Leben, der Natur, geschweige denn von uns selbst

    Genaugenommen ist von jeder Wahrheit das Gegenteil ebenso wahr!!!

    Und vergiß nicht, die Wahrheit hat ein großes „Gefolge“. Wer sie einläßt, muss auch ihre Begleiter bewirten……..und auch sie kann in sehr schlechte Gesellschaft geraten –

    Ich persönlich mag Diskusionen mit dem Anspruch auf die Wahrheit – eine Sache betreffend – nicht, und schon garnicht wenn jemand versucht zu deuten was Jesus dachte (Größenwahn der Wohlstandsgesellschaften) denn wann immer man sie für sich in Anspruch nimmt, hat man sie schon verraten…………

    und dann ist der Verstand einfach lachend an mir vorbeigezogen….. und machte Platz für das was ich nicht verstehe. Den Geist Gottes – den zu leben -und nicht den zu beschreiben oder zu deuten- meine einzige Aufgabe in dieser Welt ist.
    Habt ihr die Welt schon einmal wirklich gesehen? Kindersoldaten Täter und Opfer in einem, ganze Kontinente die seeleisch verhungern und alles fressen was sie in die Hände bekommen ohne jemals satt daran zu werden – besonders in der „fetten Welt“! Armut die jede Form von Richtig oder Falsch aus den Angeln hebt und dazu führt ,dass uns das urteilen im Halse stecken bleibt und all das was wir zu wissen glaubten in Nichts verwandelt und uns seelisch nackt,unwissend und ratlos einfach stehen lässt.
    Liebe, die echter ist als jene die wir selbst jemals begriffen haben oder fähig waren in unseren Herzen zu tragen, welche wir in ihrer Erscheinugsform dennoch nicht verstehen und auf das normale zu reduzieren versuchen weil uns unsere eigene MEHRHEITLICH veranlagte Unfähigkeit zur Liebe bewußt wird und sich nicht ertragen läßt?
    Wir haben keine Ahnung über die Tiefen von nur einer Seele, geschweige denn Vieler.
    Die Seele gehört Gott und er ist nicht darauf angewiesen sich zu schützen um nicht unterzugehen oder vom Unmenschlichen aufgesogen zu werden. Diese menschlichen Schutzmuster in der Religion sind ein erbärmlicher Versuch sich auf Kosten anderer retten zu wollen.
    Wer sich nicht schmutzg macht ist nicht automatisch auch sauber!!!! Das gilt auch – oder besser „ganz besonders“ – für Gemeinden!!!
    Nichts auf der Welt kann ein Geschenk Gottes verändern oder zerstören.

    Und meine Seele gehört ihm, auf meinen Verstand und mein Herz muß ich selbst aufpassen. Das ist mein freier Wille! Achten wir darauf das beide, sich in unserem Bestreben gut sein zu wollen, nicht zu weit von unserer Seele entfernen, denn sie ist das Boot das ALS EINZIGE den Weg nach Hause – zu Gott – kennt!
    Mit unserem Verstand wären wir verloren, denn er kann im Gegensatz zu unserer Seele Gott nicht erfassen. Wie Albert Einstein schon so treffend formulierte: „Wo mein wissen endet, da beginnt Gott“! Also lassen wir ihn durch uns wirken aber suchen wir nicht ihn zu verstehen. So klein ist er nicht und trotzdem auch!
    Amen

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